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Emily

Viktorianischer Freigeist

Ähnlich wie AMMONITE von Francis Lee, der auch eine reale Person, die Paläontologin Mary Anning, zum Anlass nahm, um sich ein Bild von den undokumentierten Seiten eines Frauenlebens im 19. Jahrhundert auszumalen, ist EMILY mehr Fantasie als Biopic.

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Als der neue, adrette Hilfspfarrer Mr. Weightman um 1840 seine Stelle in Haworth in West Yorkshire antritt, regnet es, und in seiner ersten Predigt sinniert er über Gott in jedem Regentropfen. Der Sprengel ist entzückt ob so viel Poesie und Feingefühl, auch Anne und Charlotte Brontë, die Töchter des Pfarrers, nur eine guckt skeptisch: Emily.

Über die private Emily Brontë, eine der berühmtesten und mutigsten Autorinnen der Weltliteratur, ist wenig bekannt. 1847 schrieb sie mit 29 Jahren unter dem Pseudonym Ellis Bells ihren ersten und einzigen Roman, den Klassiker „Wuthering Heights“ (Sturmhöhe), ein Jahr später starb sie, vermutlich an Lungenentzündung. Sie war nie verheiratet, und auch von einer Liebesbeziehung weiß man nicht. Der Debütfilm von Frances O’Connor kümmert sich denn auch kaum um Fakten, sondern versucht, sich über den Roman ihrem Leben anzunähern. Statt der üblichen Suche von Spuren historisch belegter Ereignisse in einem literarischen Werk, imaginiert O’Connor ausgehend von Elementen des Buches Szenen aus Emilys Leben, was erstaunlich gut funktioniert.

So zeichnet O’Connor die Beziehung von Emily (Emma Mackey) und ihrem Bruder Branson als eng und verschwörerisch. Gemeinsam huldigen sie in den Yorkshire Moors dem „freedom of thought”, und abends lugen sie durch die hellerleuchteten Fenster der reichen Nachbarn – ganz so, wie es das in selbstzerstörerischer Liebe verbundene Paar Catherine Earnshaw und ihr Adoptivbruder Heathcliff in „Wuthering Heights“ tut. O’Connor erfindet auch eine heiße Affäre, zwischen Emily und Mr. Weightman (Oliver Jackson-Cohen), die ähnlich heimlich, ähnlich leidenschaftlich und ähnlich aussichtslos verläuft wie die Liebesgeschichte zwischen Catherine und Heathcliff. War es dort Cathy, die ein bürgerlicheres Leben anstrebt, als es mit Heathcliff denkbar ist, so ist es hier Mr. Weightman, dessen Glauben ihn davon abhält, sich zum Freigeist Emily zu bekennen.

Das Auf und Ab der Gefühle verknüpft die Kamera von Nanu Segal mit der weiten Heidelandschaft des Hochmoors und ihren ständig wechselnden Lichtstimmungen. Dominierte in Andrea Arnolds Adaption von „Wuthering Heights“ die graue Schwere eines wolkenverhangenen Himmels, so bricht hier immer wieder gleißende Sonne durch, ist das Moor der Ort, an dem Emily frei atmen, lieben und denken kann. Einmal sagt sie „I will never get out of this pond” – “Ich werde diesen Flecken (wörtlich: Teich) niemals verlassen“, und Weightman antwortet: „Das hier ist kein Teich, es ist die See.“ Dazu rauscht draußen im Sturm das Heidegras.

Ähnlich wie letztes Jahr AMMONITE von Francis Lee, der auch eine reale Person, die Paläontologin Mary Anning, zum Anlass nahm, um sich ein Bild von den undokumentierten Seiten eines Frauenlebens im 19. Jahrhundert auszumalen, ist EMILY mehr Fantasie als Biopic. O’Connor entwirft ein modernes Porträt einer hochintelligenten, sehr privaten Frau, die wenig auf soziale Regeln gibt, aber einige Menschen gerade durch ihre Direktheit fasziniert. Einer Frau, die Emily Brontë hätte gewesen sein können, möglicherweise aber auch nicht …

Hendrike Bake

Details

Großbritannien 2022, 130 min
Genre: Drama, Biografie
Regie: Frances O'Connor
Drehbuch: Frances O'Connor
Kamera: Nanu Segal
Schnitt: Sam Sneade
Musik: Abel Korzeniowski
Verleih: Wild Bunch
Darsteller: Emma Mackey, Fionn Whitehead, Oliver Jackson-Cohen, Adrian Dunbar, Gemma Jones, Alexandra Dowling, Sacha Parkinson, Amelia Gething
Kinostart: 24.11.2022

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Emily

Großbritannien 2022 | Drama, Biografie | R: Frances O'Connor | NEUSTART

Ähnlich wie AMMONITE von Francis Lee, der auch eine reale Person, die Paläontologin Mary Anning, zum Anlass nahm, um sich ein Bild von den undokumentierten Seiten eines Frauenlebens im 19. Jahrhundert auszumalen, ist EMILY mehr Fantasie als Biopic.

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