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Eisenstein in Guanajuato

Blick ins Kaleidoskop

Peter Greenaway erzählt – exaltiert, wahnsinnig, verspielt - von zehn Tagen aus dem Leben des Regisseurs Sergej Eisenstein: vom 21. Oktober 1931, als Eisenstein in der mexikanischen Kleinstadt Guanajuato ankommt um dort einen Film zu drehen, bis zum 31. Oktober 1931, dem Tag der Toten. In diesen zehn Tagen verändert sich Eisensteins Welt: Er verliebt sich in seinen Reiseführer, er hat schwulen Sex, er entdeckt den Exzess und die mexikanische Totenkultur.

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Mit EISENSTEIN IN GUANAJUATO widmet sich der manische Zahlenfanatiker und Bilderwahnsinnige Peter Greenaway einer Episode aus dem Leben des berühmten russischen Filmregisseurs und Meisters der Montage Sergej Eisenstein, der unter anderem STREIK, PANZERKREUZER POTEMKIN und ALEXANDER NEVSKY drehte. Anfang der 1930er Jahre bereiste Eisenstein Europa, um den neuen Tonfilm zu studieren, dann folgte er einem Angebot der Paramount in die USA. Als man sich dort auf kein gemeinsames Projekt einigen konnte, brachte Charlie Chaplin ihn mit dem sozialistischen Schriftsteller Upton Sinclair zusammen, der sich bereit erklärte, Eisensteins nächstes Projekt zu finanzieren: ¡QUE VIVA MÉXICO! sollte ein episodisches Portrait von Mexiko werden und wurde Eisensteins größtes Fiasko. Von 1930 – 1931 bereiste Eisenstein das Land und drehte an die 50 Stunden Material, fertig gestellt wurde der Film nie – zumindest nicht von Eisenstein. Peter Greenaway erzählt von zehn Tagen aus diesem Zeitraum, vom 21. Oktober 1931, an dem Eisenstein in der Kleinstadt Guanajuato ankommt, bis zum 31. Oktober 1931, dem Tag der Toten. In diesen zehn Tagen verändert sich Eisensteins Welt: Er verliebt sich in seinen Reiseführer Palomino Cañedo, er hat schwulen Sex, er entdeckt den Exzess und die mexikanische Totenkultur. Der hochbegabte Schnellsprecher und Kopfmensch mit der Clownsvisage entdeckt die Körperlichkeit. Peter Greenaway packt seine ganze Liebe und Bewunderung für und sein ganzes Wissen über den ersten Regisseur, den er je verehrt hat, in diese zehn entscheidenden Tage. Und bei jemandem der so sammelwütig ist wie Greenaway und so exaltierte filmische Bildwelten baut, will das etwas heißen. EISENSTEIN IN GUANAJUATO ist wildes Kaleidoskop, Groteske, Karneval, Liebesgeschichte und Anthologie, Zitat und Erfindung, und ein Wunderkasten von Kameraeinstellungen und Montagetechniken. Bereits die ersten zehn Minuten mit ihren Farbwechseln, Split-Screens, rasenden Schnittfolgen, und Überlappungen von Doku und Fiktion enthalten mehr filmische Finesse als vermutlich die kumulierten Arthouse-Produktionen des Kinojahres 2015. Und in dem Tempo geht es weiter.

Toni Ohms

Details

Mexiko/ Frankreich/ Belgien/ Niederlande/ Finnland 2015, 105 min
Genre: Drama, Liebesfilm
Regie: Peter Greenaway
Drehbuch: Peter Greenaway
Kamera: Reinier van Brummelen
Verleih: Edition Salzgeber
Darsteller: Elmer Bäck, Stelio Savante, Maya Zapata
FSK: 16
Kinostart: 12.11.2015

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