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Ein bisschen bleiben wir noch

Geschwister, getrennt

Die Geschwisterkinder Oskar und Lilli, Flüchtlingskinder aus Tschetschenien, werden getrennt und kommen in Pflegefamilien, eine problematischer als die andere.

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Nur mit einer Packung Bonbons in der Tasche flüchten Oskar (Leopold Pallua) und Lilli (Rosa Zant) aus ihrer Wohnung. Die Polizei war gekommen, um sie abzuschieben – nach einem Suizidversuch ihrer Mutter (Ines Miro) wird das Verfahren jedoch ausgesetzt. Die Geschwister werden getrennt und kommen in Pflegefamilien, eine problematischer als die andere. „Ein bisschen bleiben wir noch“ basiert auf Monika Helfers Roman „Oskar und Lilli“ (1994) und bringt die Geschichte in die Jetztzeit: So handelt es sich im Film um zwei Flüchtlingskinder aus Tschetschenien, die seit sechs Jahren in Österreich leben und deren Verbleib dort alles andere als gesichert ist. Drehbuchautor und Regisseur Arash T. Rihai emigrierte selbst als Kind mit seiner Familie vom Iran nach Österreich und fand sich in der Figur des Oskar wieder. Sein Film besticht mit einer wagemutigen Kamera und monumentaler, dramatischer Bildsprache. Immer wieder werden spannende Wege gefunden, die Gefühlswelt der Kinder visuell darzustellen – sie im Spiel zu zeigen, im kindlichen Ritual, in der Mystifizierung ihrer Umwelt. Doch während Oskar sich noch seine der Fantasie flüchten kann, sieht die große Schwester Lilli das ganze Unheil allzu klar. Während „Ein bisschen bleiben“ visuell fasziniert, lässt das Drehbuch oft etwas Fingerspitzengefühl vermissen, speziell bei der Figurenzeichnung. Vor allem die beiden Pflegemütter wirken so holzschnittartig, dass zwischen ihnen und den Kindern nie eine glaubwürdige Beziehung entsteht. Dass die Charaktere recht klar in Gut und Böse eingeteilt sind und dadurch wenig Platz für Ambiguität entsteht, ist dabei die größte verpasste Chance. Viele der angerissenen Konflikte enden etwas unbefriedigend oder verlaufen im Sande. Trotz seiner mitfühlenden Bildsprache bleibt der Film damit inhaltlich leider oft recht nah an der Oberfläche.

Gewinner des Publikumspreises des Max-Ophüls-Fstivals 2020.

Eva Szulkowski

Details

Österreich 2020, 102 min
Sprache: Deutsch
Genre: Drama
Regie: Arash T. Riahi
Drehbuch: Arash T. Riahi
Kamera: Enzo Brandner
Musik: Karwan Marouf
Verleih: Film Kino Text
Darsteller: Leopold Pallua, Rosa Zant, Anna Fenderl, Christine Ostermayer, Rainer Wöss
Kinostart: 03.12.2020

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