
Neue Notiz
Ecce Homo – Der verlorene Caravaggio
Einblick in den Kunsthandel
Ein bisher unbekanntes Gemälde von Caravaggio ist auf dem Kunstmarkt aufgetaucht. ECCE HOMO ist ein Fallbeispiel über die Mechanismen, Verflechtungen und Interessenkonflikte im Kunstmarkt.
Von Beginn an ist Álvaro Longoria fast ängstlich darauf bedacht, nicht zu langweilen. Reenactments von Treffen und Telefonaten werden unterlegt mit dramatischer Musik, Interviewpartner*innen bemühen sich, die atemraubende Bedeutung des Fundes herauszustellen. Es geht um ein bislang unbekanntes Gemälde von Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571-1610), das zeigt, wie Pontius Pilatus den gegeißelten Christus der Menge vorführt. Bis zu ihrem Umzug hing das Gemälde in der Wohnung einer wohlhabenden Madrider Künstlerin, dann wanderte es in ein Auktionshaus. Hier wurde es beinahe für 1.500 Euro angeboten, bis es als vermutliches Meisterwerk Caravaggios identifiziert wurde. Schätzwert: 300 Millionen Euro. Jetzt nimmt ECCE HOMO – DER VERLORENE CARAVAGGIO an Fahrt auf und verschafft seltene Einblicke in den notorisch verschwiegenen Kunsthandel mithilfe aller beteiligten Akteur*innen: Der Auktionator, der um seinen Ruf fürchtet, die Kunsthistoriker*innen, deren Karriere von einer korrekten Analyse abhängt, die Kunsthändler, die sich wie „Hyänen“ (Selbstbeschreibung) um das Bild scharren, und die Familie der Besitzerin, die sich mit einem Mal mit einem Reichtum auf viele Generationen hinaus konfrontiert sieht. Nun darf auch die Inszenierung etwas zurücktreten, an die nachgestellten Gespräche hat man sich inzwischen gewöhnt, und der Hans Zimmer-ähnliche Soundtrack von Roberto Procaccini dreht erst wieder auf, als die Authentizität des Bildes mithilfe zeitgenössischer Dokumente bestätigt werden soll. „Langweilig!“, scheint Longoria das Publikum rufen zu hören. Tatsächlich ist ECCE HOMO eher trotz statt wegen seiner filmischen Kniffe interessant, ein seltenes Fallbeispiel über die Mechanismen, Verflechtungen und Interessenkonflikte im Kunstmarkt. Vor allem ist über große Strecken nicht klar, ob es sich wirklich um ein Original handelt oder der ganze Lärm nicht doch um nichts war. Fazit: DIE BOURNE IDENTITÄT der Kunstgeschichte.
Originaltitel: El Caravaggio perdido
Spanien/Italien 2025, 78 min
Genre: Dokumentarfilm, Thriller
Regie: Álvaro Longoria
Drehbuch: Alvaro Longoria
Kamera: Hernán Pérez
Schnitt: Vanessa Marimbert
Musik: Roberto Procaccini
Verleih: Arsenal
Kinostart: 31.07.2025
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