Magazin für unabhängiges Kino
Filmwecker
Filmnotiz

Neue Notiz

Dreaming Dogs

Leben am Rande

Mit Zurückhaltung erzählt der Dokumentarfilm von Nadeshda Sobetzkaja, die sich gemeinsam mit ihrem geliebten Hund Dino und weiteren Straßenhunden auf den Straßen von Moskau durchschlägt.

Mehr

DREAMING DOGS heißt dieser Dokumentarfilm eines Lebens am Rande. Er könnte auch „Babuschka“ heißen oder „Nadeshda und Dingo“. Von diesen beiden erzählt der Film: von Nadeshda Sobetzkaja und ihrem Hund Dingo, ihrem Liebling, dem sie Brei kocht, den sie liebkost, dessen Wunden sie verarztet, wenn er sich im Kampf mit anderen Hunden verletzt hat, den sie ermahnt, auf sich aufzupassen, mit dem sie schimpft, der sie ärgert, weil er nicht antwortet, wenn sie mit ihm spricht. Sie, seine Babuschka, seine Oma, spricht Tag und Nacht mit ihm, lockt ihn, tröstet ihn. Er kann sich auf sie verlassen, „Oma kommt“, was auch geschieht. Sie sorgt für ihn - und noch acht weitere Hunde, die im Abspann alle mit ihrem Namen genannt werden.

Wie alt diese Frau ist, warum sie hier haust, in einem aus Holz und Plastikplanen zusammengenagelten Unterschlupf im vermüllten Niemandsland eines aufgelassenen Industriegeländes im Süden Moskaus, von was sie lebt - man erfährt es nicht. Nur dass sie einmal bei der Post gearbeitet hat, mehr wird nicht preisgegeben aus ihrem Leben. Auch nicht von Mischa und Sergej, die für sie im Wald nach Alteisen suchen. Der Erlös wird in Wodka umgesetzt. Bei den Besäufnissen aber ist die Kamera (Yumas Roy Imer) nicht dabei, so viel Respekt bewahrt das gesamte Team vor diesen drei Menschen. Weshalb man ihnen auch keine Fragen stellt, draußen bleibt, sich damit begnügt zuzuschauen, nicht kommentiert. Es versteht sich, dass die Filmemacher in diese Existenz außerhalb der Normalität eines sonst (nur hier nicht, in der freien Natur) allgegenwärtigen Staats nicht mit dem großen Licht-Equipment eingreifen wollten. Eher dunkel also sind manche Passagen, sollen es auch bleiben. Wir, im Kino, werden aufgefordert, sie für uns weiterzudenken. Oder zu träumen von Anarchie?

Elisabeth Bauschmid

Details

Deutschland/Österreich 2024, 77 min
Sprache: Russisch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Elsa Kremser, Levin Peter
Drehbuch: Elsa Kremser, Levin Peter
Kamera: Yunus Roy Imer
Verleih: Real Fiction
Kinostart: 10.07.2025

Website
IMDB

Vorführungen

Filter
Multiplexe anzeigen

ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR.
Die Inhalte dieser Webseite dürfen nicht gehandelt oder weitergegeben werden. Jede Vervielfältigung, Veröffentlichung oder andere Nutzung dieser Inhalte ist verboten, soweit die INDIEKINO BERLIN UG (haftungsbeschränkt) nicht ausdrücklich schriftlich ihr Einverständnis erklärt hat.