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Dorf der verlorenen Jugend

Schwarze Todesromantik

Zwischen 2007 und 2012 haben in der walisischen Bergbaugemeinde Bridgend an die 80 Jugendliche Selbstmord begangen. Der dänische Dokumentarfilm-Regisseur Jeppe Rønde ist sechs Jahre lang an den Ort gereist, hat Gespräche mit den Jugendlichen geführt und Vertrauen aufgebaut und schließlich in Bridgend selbst und auch mit Darstellern aus der Gemeinde einen kargen, poetischen Film über jugendliche Tristesse gedreht.

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Zwischen 2007 und 2012 haben in der walisischen Bergbaugemeinde Bridgend an die 80 Jugendliche Selbstmord begangen. Die meisten haben sich erhängt. Eine Ursache für dieses Phänomen wurde nie gefunden. Der dänische Dokumentarfilm-Regisseur Jeppe Rønde ist sechs Jahre lang an den Ort gereist, an dem Journalisten für gewöhnlich verprügelt werden, hat Gespräche mit den Jugendlichen geführt und Vertrauen aufgebaut und schließlich in Bridgend mit Darstellern aus der Gemeinde einen kargen, poetischen Spielfilm über jugendliche Tristesse gedreht, der an Sofia Coppolas Debütfilm THE VIRGIN SUICIDES erinnert. War in Coppolas Studie über Ennui und Todesfantasien alles in ein unwirklich goldenes Licht getaucht, so ist bei Rønde alles grau: die gedrungenen Häuser im Tal, der spät-herbstliche Wald am Abend, der Atem der Jugendlichen in der kalten Nachtluft. In diese enge, von den Hügeln und dem Wald wie belagerte Stadt kommt Sara mit ihrem Vater, einem Polizisten, der die mysteriösen Todesfälle untersuchen soll, und ihrem Grauschimmel Snowy. Von Saras Mutter erfährt man nichts, aber ihre Abwesenheit ist wie eine wunde Stelle spürbar. Überall im Leben der Dorfjugendlichen gibt es solche empfindlichen Stellen. Am nächsten Tag steht Laurel am Zaun und nimmt Sara mit in den Wald, an den schlammigen Badesee am Wasserfall, in dem die Jugendlichen zu allen Jahreszeiten baden. Reglos lassen sie ihre bleichen Körper im schwarzen Wasser zwischen den welken Blättern treiben. Der See, der Wald, „Binge-Drinking“, Party und zwischendrin immer wieder neue Todesfälle: DORF DER VERLORENEN JUGEND erzählt von einer abgeschlossenen Welt voller Rituale, Leerstellen, bedingungsloser Loyalität und einer schwarzen Todesromantik, in die Sara immer tiefer eintaucht und zu der die Erwachsenen keinen Zugang haben.

Hendrike Bake

Details

Originaltitel: Bridgend
Dänemark 2015, 95 min
Genre: Drama
Regie: Jeppe Rønde
Drehbuch: Peter Asmussen, Jeppe Rønde, Torben Bech
Kamera: Magnus Nordenhof Jønck
Schnitt: Olivier Bugge Coutté
Musik: Mondkopf
Verleih: eksystent Filmverleih
Darsteller: Adrian Rawlins, Hannah Murray, Steven Waddington, Josh O`Connor, Patricia Potter
Kinostart: 10.12.2015

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