
Neue Notiz
Donkey Days
Liebe ist nicht so ihr Ding
Das bitterböse Sittengemälde aus der deutschen Oberschicht erzählt von zwei Schwestern und ihrer toxischen Beziehung zu ihrer übergriffigen Mutter.
Wer zwei Schauspielerinnen – eine Newcomerin, eine bekannt aus Funk und Fernsehen – dabei zusehen möchte, wie sie einander aufs Bitterste bekriegen, weinend einen Esel streicheln und durch einen Geburtskanal kriechen, ist bei der niederländisch-deutschen tiefschwarzen Komödie DONKEY DAYS gut aufgehoben. Dafür muss man sich mit Rosanne Pels fordernder Inszenierung arrangieren, die es ihrem Publikum durch beklemmenden Musikeinsatz, Wackelkamera im Dogma-Stil und harsche Schnitte recht ungemütlich macht.
In einem sperrigen Fragment nach dem anderen erzählt die Regisseurin und Drehbuchautorin in diesem Sittengemälde aus der deutschen Oberschicht von zwei Schwestern und ihrer toxischen Beziehung zu ihrer übergriffigen Mutter Ilse (Hildegard Schmahl/Carla Juri). Liebe geben, ist nicht so ihr Ding, ihre Töchter manipulieren und gegeneinander ausspielen umso mehr. Die lesbische Anna (Jil Krammer), die der Mutter gerade ihre Freundin vorgestellt hat, ist dick und wird von ihrer Familie zur Diät gezwungen. Die heterosexuelle, allein lebende Charlotte (Susanne Wolff) ist dünn, joggt ständig und steht stark unter Druck. Zunächst übernimmt der Film Annas Perspektive und folgt ihr visuell aus nächster Nähe, ohne ihr emotional wirklich nahe zu kommen. Doch das bricht, als sie ihren Frust erstmals auf bösartigste Weise an Charlotte auslässt. Keine ist nur Opfer, beide sind das wandelnde Erbe ihrer Mutter und können nicht aus ihrer Haut. Das ist alles äußerst anstrengend, dafür gibt es in diesem Theater um drei spannende, schauderhafte Frauen aber auch viel zu lachen und zu entdecken. Allein dass Anna als Dicke nicht nur überhaupt die Hauptfigur, sondern ihr Dicksein wichtiger Teil der Handlung ist und sie zugleich als begehrenswert und sinnlich inszeniert wird, ist eine besondere Note in einem Film, der mit Genuss ausschließlich schiefe Töne spielt.
Niederlande/Deutschland 2025, 108 min
Sprache: Deutsch, Niederländisch, Englisch
Genre: Drama
Regie: Rosanne Pel
Drehbuch: Rosanne Pel
Kamera: Aafke Beernink
Schnitt: Xander Nijsten
Musik: Ella van der Woude
Verleih: Edition Salzgeber
Darsteller: Jil Krammer, Susanne Wolff, Hildegard Schmahl, Amke Wegner, Carla Juri
FSK: 16
Kinostart: 25.06.2026
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