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Die zwei Gesichter des Januars

Moralisches Zwielicht

Athen 1962. Während einer Führung auf der Akropolis lernt der junge Touristenführer Rydal das mondäne amerikanische Ehepaar MacFarland kennen. Sonnendurchfluteter Noir-Thriller nach einem Roman von Particia Highsmith.

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Der Name des ersten Monats des Jahres stammt vom doppelköpfigen Janus, dem römischen Gott des Anfangs und des Endes. Ovid zufolge machte sich die Nymphe Cardea angeblich ein Spiel daraus, ihren Verehrern auf dem Weg zum Platz des Stelldicheins zu entwischen. Dem doppelköpfigen Janus jedoch entging dies nicht und so musste sie sich ihm schließlich ergeben. Die sprichwörtliche Doppelköpfigkeit des Janus lässt sich auch auf die zwei männlichen Protagonisten von DIE ZWEI GESICHTER DES JANUARS übertragen, die beim Ringen um die Gunst einer jungen Frau über Leichen gehen.

Athen 1962. Der junge Amerikaner Rydal ist aus guter Familie und hat an einer Eliteuniversität studiert, schlägt sich aber nun als Touristenführer und Trickbetrüger durchs Leben. Während einer Führung auf der Akropolis lernt er das amerikanische Ehepaar MacFarland kennen. Schnell fühlt er sich zu dem mondänen Paar hingezogen: Chester MacFarland erinnert ihn schmerzlich an seinen kürzlich verstorbenen Vater und von seiner jungen, attraktiven Frau Colette fühlt er sich magisch angezogen. Nach einem gemeinsamen Dinner scheinen sich die Wege des Trios zu trennen, doch ein tödlicher Unfall im Hotelzimmer der MacFarlands kettet die drei bald darauf wieder aneinander. Ein von Lügen und Geheimnissen durchzogenes Katz- und Mausspiel entbrennt, das in Griechenland beginnt und schließlich in der Türkei endet.

Die Vorlage zu Hossein Aminis Regiedebüt, der sich bisher als Drehbuchautor einen Namen durch Filme wie DRIVE oder 47 RONIN machte, stammt von der US-Schriftstellerin Patricia Highsmith, die insbesondere durch ihre psychologischen Thriller um den talentierten Mr. Tom Ripley Berühmtheit erlangte. Obwohl Highsmiths 1964 publizierter Roman „The Two Faces of January“ weder zum Ripley-Zyklus noch zu ihren besseren Werken zählt, bietet er gleich zwei zwielichtige Figuren, die sich in der moralischen Grauzone eines Tom Ripleys bewegen. Viggo Mortensen und Oscar Isaac, die um die Gunst der von Kirsten Dunst verkörperten Femme fatale ringen, liefern sich vor der angemessen mythologischen Kulisse der griechischen Mittelmeerküste einen spannenden Kampf gegen den jeweiligen Nebenbuhler und gegen ihre inneren Dämonen. So ist es nur von logischer Konsequenz, dass in den Ruinen des Labyrinths von Knossos, dem Verlies des Jungfrauen verschlingenden Minotaurus, das Versteckspiel der beiden Männer in einem weiteren Todesopfer gipfelt.

Getreu der Vorlage legt Amini den Fokus nicht primär auf die Überführung des Täters, sondern auf dessen innere Motivation, Unrechtes erst aus Verzweiflung und schließlich aus Eifersucht zu tun. Diese Psychologisierung der „Whodunit“- zur „Whydunit“-Story, die erzählerische Ökonomie und nicht zuletzt der sich stark an der Filmmusik Bernard Herrmanns orientierende Score von Alberto Iglesias wecken Erinnerungen an die Filme Alfred Hitchcocks, dem einst selbst mit der Highsmith-Adaption STRANGERS ON A TRAIN ein großer Wurf im Genre des Film Noirs gelang. Die ungewöhnliche Verlagerung des Geschehens vom Nachtschwarz der Großstadt in das gleißende Tageslicht der mediterranen Provinz Griechenlands und die Komplexität der rivalisierenden Flüchtigen machen DIE ZWEI GESICHTER DES JANUARS zum zeitlosen Neo-noir.

David Herger

Details

Originaltitel: The Two Faces of January
Frankreich/USA/Großbritannien 2013, 96 min
Genre: Thriller
Regie: Hossein Amini
Drehbuch: Patricia Highsmith, Hossein Amini
Kamera: Marcel Zyskind
Schnitt: Nicholas Chaudeurge
Musik: Alberto Iglesias
Verleih: Studiocanal
Darsteller: Kirsten Dunst, Viggo Mortensen, Oscar Isaac, Daisy Bevan, Aleifer Prometheus
FSK: 12
Kinostart: 29.05.2014

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