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Die Vision der Claudia Andujar

Fotografie als Selbstbestimmung

Dokumentarfilm über die Schweizer Fotografin Claudia Andujar, die 1955 als Fotoreporterin ins Amazonasgebiet reiste und zur Verbündeten der Yanomami wurde.

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Schon das persönliche Leben von Claudia Andujar ist filmreif: 1931 wurde sie in der Schweiz geboren, wuchs jedoch in Transsilvanien auf. Vor den Nazis floh sie nach New York; ihre Familie wurde im KZ Dachau ermordet. 1955 zog sie als Fotoreporterin nach Brasilien und begann, sich für die indigene Bevölkerungsgruppen des Amazonasgebiets zu interessieren, vor allem die Yanomami.

Eine weiße Fotografin, die ein indigenes Volk besucht, erzeugt Unbehagen – ein Unbehagen, das durch die Bildsprache mancher Fotografien noch verstärkt wird: Aktfotografien einzelner Körperregionen von weiblichen Yanomami oder serielle Porträts wecken Assoziationen an exotisierende Sehnsüchte und rassistische Klassifizierung. Das Unbehagen löst sich jedoch auf, denn in ihrer Arbeit berichtet Andujars nicht so sehr über die Yanomami, als dass sie sich mit ihnen solidarisiert. Sie vermittelt den Kampf der indigenen Bevölkerung gegen koloniale Infrastrukturprojekte und illegale Goldminen, gegen Abholzung ihres Territoriums und die Ermordung ganzer Dörfer durch Söldner*innen. Sie reist zu den Vereinten Nationen in New York, wo Davi Yanomami als Repräsentant der indigenen Gruppen des Amazonas 1992 in einer Rede vergeblich um Unterstützung bat.

Konsequent ist, dass sich der Film im zweiten Teil langsam von seiner Protagonistin entfernt und stattdessen junge indigene Filmemacherinnen in den Vordergrund stellt. Das Kollektiv Audiovisual Munduruku beispielsweise dreht Filme über illegale Waldrodungen und Quecksilbervergiftungen und macht so nicht nur auf seit Jahrzehnten andauernde, sich unter Bolsonaro wieder verschärfende Konflikte aufmerksam, sondern arbeitet auch an der kulturellen Emanzipation der Yanomami und anderer Bevölkerungsgruppen. Spätestens hier wird deutlich, auf was sich Andujars Vision bezieht: eine Fotografie nicht als ästhetischer Selbstzweck, sondern als Mittel der Selbstbestimmung und als Ausdruck der Lebendigkeit.

Yorick Berta

Details

Originaltitel: Die Vision der Claudia Andujar: The Lady with the Arrows
Deutschland/Schweiz 2024, 88 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Heidi Specogna
Drehbuch: Heidi Specogna
Kamera: Johann Feindt
Schnitt: Kaya Inan
Musik: Raffael Seyfried
Verleih: W-Film
Kinostart: 09.05.2024

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Die Vision der Claudia Andujar

(Die Vision der Claudia Andujar: The Lady with the Arrows) | Deutschland/Schweiz 2024 | Dokumentarfilm | R: Heidi Specogna

Dokumentarfilm über die Schweizer Fotografin Claudia Andujar, die 1955 als Fotoreporterin ins Amazonasgebiet reiste und zur Verbündeten der Yanomami wurde.

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