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Die unerschütterliche Liebe der Suzanne

Ein Blick genügt

Wie Frances in FRANCES HA oder Isabelle in JUNG & SCHÖN gehört Suzanne zu einer neuen Riege von Frauenfiguren, die erfrischend vielschichtig und moralisch mehrdeutig sind und die das enge Korsett von Story und Soziogramm regelrecht zu sprengen scheinen.

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Tanzaufführung an der Schule. Zwanzig kleine Mädchen in roten Paillettenkleidchen sind mit Verve dabei. Unter ihnen ist Suzanne, freundlich beklatscht von ihrer Schwester und ihrem Vater im Publikum. Das Stück ist zu Ende, die Mädchen werfen sich in Pose, alles jubelt, alles scheint gut. Doch dann fokussiert die Kamera auf Suzannes Gesicht und fängt diesen Blick ein, der zu sagen scheint: ist das alles? Suzanne und ihre Schwester Maria werden älter, sechzehn, zwanzig, sechsundzwanzig Jahre, doch der Blick bleibt. Irgendetwas treibt Suzanne um und lässt sie immer wieder drastische Entscheidungen treffen. Sie wird als Teenager schwanger und behält den Jungen Charlie, sie lernt den Kleingangster Julien kennen, schmeißt alles hin und zieht ihm hinterher, Charlie stellt sie derweil bei ihrer Schwester ab. Schließlich verschwindet sie ganz. Ihre geliebte Schwester Maria und der Vater stehen hilflos daneben. Suzanne, gespielt von Sara Forestier, nervt, fasziniert und verwundert. Wie Frances in FRANCES HA oder Isabelle in JUNG & SCHÖN gehört sie damit zu einer neuen Riege von Frauenfiguren, die erfrischend vielschichtig und moralisch mehrdeutig sind und deren Persönlichkeiten das enge Korsett von Story und Soziogramm regelrecht zu sprengen scheinen. Gleiches gilt übrigens für Maria (Adèle Haenel), die zwar stets im Hintergrund bleibt, deren Geschichte der Film aber sensibel und berührend miterzählt.
Warum Suzanne ist wie sie ist und tut was sie tut, bleibt offen. Die junge franko-afrikanische Regisseurin Katell Quillévéré gibt Hinweise – der frühe Tod der Mutter, die Abwesenheiten des Vaters – aber sie verweigert endgültige Erklärungen. In kurzen und kürzesten Szenen erzählt sie die Ereignisse von 25 Lebensjahren. Oft zeigt sie vermeintliche Nebenschauplätze, Szenen, die kurz vor oder kurz nach zentralen Ereignissen stattfinden. Als Suzanne vor Gericht erscheinen muss, sieht man weder die Straftat noch das Urteil, sondern allein den fassungslosen Blick des Vaters (François Damiens) auf seine Tochter während die Anklage verlesen wird. Das genügt. Eine Einstellung, ein Blick, ein Satz, eine Geste reichen Quillévéré, um das ganze Ausmaß der Katastrophen, der Verbundenheiten und der Leidenschaften spürbar zu machen, die Suzannes Leben ausmachen. Kaum zu glauben, dass SUZANNE erst ihr zweiter Langfilm ist.

Hendrike Bake

Details

Originaltitel: Suzanne
Frankreich 2013, 90 min
Sprache: Französisch
Genre: Drama
Regie: Katell Quillévéré
Drehbuch: Katell Quillévéré, Mariette Désert
Kamera: Tom Harari
Schnitt: Thomas Marchand
Verleih: Arsenal Filmverleih
Darsteller: Sara Forestier, Adèle Haenel, François Damiens, Anne Le Ny, Karim Leklou, Corinne Masiero, Paul Hamy, Timothé Vom Dorp
FSK: 12
Kinostart: 19.06.2014

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