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Die Stimme des Regenwaldes

Wenig Fingerspitzengefühl

Bruno Manser zieht mit dem Backpack in den malaysischen Regenwald, um sich selbst zu finden. Bald kämpft er mit dem Stamm der Penan gegen die Abholzung des Regenwalds.

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Ein Geschenk Gottes sei er, der Bruno Manser, so heißt es zu Beginn des Biopics über den schweizer Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten. Dem Zuschauer ist er zunächst mal ein stiller blasser Junge, der mit Backpack in den malaysischen Regenwald zieht, um sich selbst zu finden. Er trifft dort auf einen Stamm der Penan, die ihn in ihrer Mitte aufnehmen, erlebt, wie deren Heimat durch Holzabbau bedroht wird, und beschließt, etwas dagegen zu tun. Leider beweisen Regisseur Niklaus Hilber und sein Team wenig Fingerspitzengefühl im Umgang mit dem spannenden Stoff. Recht unbeholfen spielen sie auf einer schlecht gestimmten Hollywood-Klaviatur, die den Film streckenweise fast als Farce erscheinen lässt. Es berührt, als die Penan das erste gelbe X auf einem ihrer Bäume entdecken und nach einem abrupten Schnitt die Bäume fallen – aber gleich distanzieren einen der überzogene Score und die plumpe Slow-Motion wieder vom Geschehen. Leider gelingt es dem Film nicht, den Penan gerecht zu werden: Die fiktionale Lovestory mit Ubung (Elizabeth Ballang) ist peinlich unreflektiert; Stammeschef Along Sega (Nick Keselau) verbringt viel zu viel Screentime damit, zu versichern, wie richtig alles ist, was Bruno macht. Meist werden die Stammesangehörigen als Kollektiv dargestellt und räumen im Laufe der Handlung allmählich ihre Plätze zugunsten von Weißen Figuren. Und letztendlich unterschlägt der Film, dass es den Aufstand der indigenen Bevölkerung auch ganz ohne Bruno gegeben hätte. Die Bösen sind böse, der Weiße ist gut, die Urwaldbewohner sind dankbar, so einfach macht man’s sich. Hätte man versucht, Manser als komplexen Menschen darzustellen, statt aus ihm den schweizerischen DER MIT DEM WOLF TANZT zu machen, wäre das sicher keine weniger fesselnde Geschichte gewesen. So aber bleibt nur festzuhalten, dass sich der Mythos des „Weißen Retters“ auch in aktuellen Filmproduktionen hartnäckig zu halten scheint.

Eva Szulkowski

Details

Originaltitel: Bruno Manser
Schweiz/Österreich 2019, 144 min
Sprache: Englisch, Schweizerdeutsch, Deutsch
Genre: Drama
Regie: Niklaus Hilber
Drehbuch: David Clemens, Niklaus Hilber, Patrick Tönz
Kamera: Matthias Reisser
Schnitt: Claudio Cea
Musik: Gabriel Yared
Verleih: Camino
Darsteller: Sven Schelker, Charlotte Heinimann, Matthew Crowley, Daniel Ludwig
FSK: 12
Kinostart: 22.10.2020

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