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Die schönen Tage von Aranjuez

Gespräche im Paradies

Wim Wenders Verfilmung eines Einakters von Peter Handke: eine Frau und ein Mann sitzen im Garten einer Villa oberhalb von Paris an einem Tisch und reden. Über alles und nichts, über das Leben, über das stets wechselvolle, schwierige, wunderbare Verhältnis von Frauen und Männern.

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Seit Ende der 60er Jahre kennen sich Wim Wenders und Peter Handke, haben bei Klassikern wie DIE ANGST DES TORMANNS BEIM ELFMETER und vor allem HIMMEL ÜBER BERLIN zusammengearbeitet und sind inzwischen gemeinsam ergraut. Ein Alterswerk ist DIE SCHÖNEN TAGE VON ARANJUEZ dann auch, Wenders Verfilmung eines kurzen Einakters, den Handke vor ein paar Jahren für seine Frau Sophie Semin geschrieben hat, die in der Verfilmung auch die Hauptrolle spielt. Sie ist die Frau, Reda Kateb der Mann, die im paradiesischen Garten einer Villa oberhalb von Paris gemeinsam an einem Tisch sitzen und reden. Über alles und nichts, über das Leben im Kleinen wie im Großen, über das stets wechselvolle, schwierige, wunderbare Verhältnis von Frauen und Männern. Das ewige Thema also, das sowohl Wenders als auch Handke in ihren Filmen und Büchern immer wieder behandelt haben, und das hier in typisch Handkeschen, poetischen Worten umkreist wird. Die langen Dialoge der Frau und des Mannes - ob sie einmal ein Paar waren oder eins sind bleibt offen - bricht Wenders in seiner filmischen Adaption durch einen Kunstgriff auf: Ein Autor (Jens Harzer), beobachtet das Geschehen im Garten aus dem Inneren des Hauses, von seinem Schreibtisch aus, vielleicht imaginiert er es auch nur. Unschwer als Alter Ego Peter Handkes zu erkennen, noch allgemeiner als der Künstler, der sich in seinem Werk um Annäherungen an Fragen bemüht, die nie klar zu beantworten sind.
Dementsprechend mäandern auch DIE SCHÖNEN TAGE VON ARANJUEZ dahin, im klassischen Sinne „passieren“ tut hier fast nichts. Wenn da einmal Nick Cave einen kurzen Gastauftritt hat, plötzlich im Haus des Autors am Klavier sitzt und sein wunderbares „Into Your Arms“ singt, ist das schon der offensichtlichste Moment in einem Film, der seine Qualitäten, seine weit schweifenden Überlegungen über Lust und Leid von Paarbeziehungen, ansonsten gut zu verstecken weiß.

Michael Meyns

Details

Originaltitel: Les beaux jours d'Aranjuez
Deutschland/Frankreich 2016, 98 min
Genre: Drama
Regie: Wim Wenders
Drehbuch: Wim Wenders, Peter Handke
Kamera: Benoît Debie
Verleih: NFP
Darsteller: ns Harzer, Reda Kateb, Nick Cave, Sophie Semin, Peter Handke
FSK: oA
Kinostart: 26.01.2017

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