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Die Ruhelosen

Zuwendung-Abgrenzung

Damien durchlebt bipolare Phasen. Leïla kämpft mit großer Kraft um die Stabilität ihres Mannes und der Familie. Die Darsteller*innen bringen überzeugend Zärtlichkeit und Freude am Gegenüber, aber auch latente Aggressionen und Vertrauenskrisen zum Ausdruck.

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Vater, Mutter, Kind, schönes Haus in südlicher Idylle, die kreativen Geschäfte laufen gut, der Opa lebt auch in der Nähe: Das Leben könnte einfach paradiesisch sein. Jedoch durchlebt Damien, der Maler ist, wiederholt manische Phasen mit anschließender totaler Erschöpfung. Seine Frau Leïla kämpft mit großer Kraft um seine und ihre Stabilität, versucht, den Sohn zu schützen, und kommt den Impulsen des manischen Geliebten kaum hinterher. Dabei bleiben große Katastrophen letztlich aus, dennoch vermittelt sich eine ständige Anspannung und Hintergrundsorge, Ruhelosigkeit eben, da jederzeit Entgleisungen lauern. Regisseur Joachim Lafosse bezieht sich auf die eigene Kindheit mit bipolarem Vater. Allerdings wird hier trotz der gut nachvollziehbaren Schilderung der Krankheit kein Infofilm über Bipolarität geliefert. Vielmehr gelingt es dem Team, sehr sinnlich das Verbundensein wie das drohende Auseinanderbrechen des Paares, der Familie zu vermitteln. Die großartigen Darsteller*innen bringen überzeugend Zärtlichkeit und Freude am Gegenüber, aber auch latente Aggressionen und Vertrauenskrisen zum Ausdruck. Mit ihrer Unruhe wird auch die Kamera hektischer. Der Film lässt sich trotzdem Zeit für seine Bilder. So wird auch der Malprozess zur Erfahrung. Die gezeigten Gemälde sind keine Staffage, sondern erweitern die Einsicht in die konstanten Zuwendungs- und Abgrenzungsgesten, die Leïla, Damien und Kind Amine vollziehen. Noch aus dem schwarzen Off starten DIE RUHELOSEN mit einem akustischen Bild von Wellen: Wir hören ihr hartes Anbranden am Kiesstrand, lebhaftes Plätschern und Sichwiederzurückziehen. Der Rhythmus dieses Grenzen-Füllens, Grenzen-Schiebens nimmt nicht nur die Bipolarität vorweg, die Damiens Erkrankung ausmacht, sondern auch das Ergründen der Belastungen und Beschenkungen in liebenden Beziehungen.   

Anna Stemmler

Details

Originaltitel: Les intranquilles
Belgien/Frankreich/Luxemburg 2021, 118 min
Genre: Drama
Regie: Joachim Lafosse
Drehbuch: Joachim Lafosse, Juliette Goudot, Anne-Lise Morin, François Pirot
Kamera: Jean-François Hensgens
Schnitt: Marie-Hélène Dozo
Verleih: Eksystent Filmverleih
Darsteller: Leïla Bekhti, Damien Bonnard, Gabriel Merz Chammah, Patrick Deschamps
FSK: 12
Kinostart: 14.07.2022

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