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Die Reise zum sichersten Ort der Erde

Verdrängung mit Folgen

Gemeinsam mit dem Nuklearexperten Charles McCombie reist Regisseur Edgar Hagen zu den gescheiterten Endlagerprojekten der Welt, von Yucca Mountain in Nevada über Australien und die Schweiz bis ins hiesige Wendland, und legt dabei die Widersprüche und Verdrängungsmechanismen offen, die sich hinter dem pragmatischen menschlichen Fortschrittswillen auftun.

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Irgendwo mitten in der Wüste Gobi könnte er vielleicht liegen. Ein paar blaue Rohre, die aus dem Boden ragen, weisen auf die Probebohrungen hin, die Aufschluss darüber geben sollen, ob sich hier tatsächlich einer der sichersten Orte der Erde befindet. Ju Wang, Direktor des Endlagerprogramms der Volksrepublik China ist jedenfalls zuversichtlich und hat zudem noch einen guten Rat parat: „Wenn man ein Haus baut, darf man die Toilette nicht vergessen.“ Das klingt ärgerlich banal, entpuppt sich in Edgar Hagens dokumentarischem Road-Movie aber als treffende von konfuzianische Pointe, denn der Filmemacher begibt sich auf die weltweite Suche nach den Endlagerstätten für radioaktive Abfälle und kommt – man ahnt es schon – zur bitteren Erkenntnis: Seit die vermeintlich saubere Atomenergie vor knapp sechzig Jahren für zivile Zwecke erschlossen wurde, haben die Verantwortlichen das Problem der Lagerung und Beseitigung des strahlenden Mülls ignoriert, so dass sich bis heute weltweit bereits 350.000 Tonnen Abfall angesammelt haben. Dass dies einer der gewichtigsten Kritikpunkte der Kernkraftgegner ist, weiß auch der Nuklearphysiker und international renommierte Endlagerexperte Charles McCombie, ein glühender Anhänger der Atomenergie, der sein Leben in den Dienst der Suche nach dem sichersten Ort der Erde gestellt hat. Gemeinsam mit McCombie reist Hagen zu den gescheiterten Endlagerprojekten der Welt, von Yucca Mountain in Nevada über Australien und die Schweiz bis ins hiesige Wendland, und legt dabei die Widersprüche und Verdrängungsmechanismen offen, die sich hinter dem pragmatischen menschlichen Fortschrittswillen auftun. Der Film trägt bisweilen die Züge einer Groteske, aber es ist nicht leicht, über die notorische Naivität der Vergangenheit zu lachen, wenn sie die Zukunft noch in einer Million Jahre beinträchtigen wird.

Jens Mayer

Details

Schweiz 2013, 100 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Edgar Hagen
Drehbuch: Edgar Hagen
Kamera: Peter Indergand
Schnitt: Paul M. Sedlacek, Edgar Hagen
Musik: Tomek Kolczynski
Verleih: W-Film
FSK: oA
Kinostart: 19.03.2015

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