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Die My Love

Körper, Mutterkörper

In ihrer Adaption von Harwicz’ Roman übersetzt Ramsay die eminent literarische Form des inneren Monologs in ein fast ausschließlich visuelles Format.

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Der kurze, dichte Roman „Die, my Love“ von Ariana Harwicz ist als innerer Monolog geschrieben. Beobachtungen, Gefühle und Versatzstücke von Familiengeschichte reihen sich so wild aneinander, wie sie durch den Kopf einer jungen Mutter am Rand der Psychose purzeln. Auch ein Fremder taucht dort auf, dessen Blick auf die Frau ebenfalls ihre eigene Imagination ist. Frustration, Verachtung, Gewalt und Sexualität brodeln unter dem Text, und die Verankerung des Gesagten in einer äußeren Realität wird zunehmend fragwürdiger.

Auch Regisseurin Lynne Ramsay begibt sich in ihren Filmen gerne in psychische Extremsituationen. In RATCATCHER (1999) musste ein 12-Jähriger mit seiner Mitschuld am Tod des Freundes klarkommen, in WE NEED TO TALK ABOUT KEVIN (2011) spielte Tilda Swinton die Mutter eines psychopathischen Sohnes, und in YOU WERE NEVER REALLY HERE Joaquin Phoenix den traumatisierten Killer Joe. In ihrer Adaption von Harwicz’ Roman übersetzt Ramsay die eminent literarische Form des inneren Monologs in ein fast ausschließlich visuelles Format. Keine Stimme aus dem Off dient als Brücke, wenn Bilder, in denen Grace (Jennifer Lawrence) sich in einer Art Trance durch ihren Alltag schleppt, durchs Gras robbt oder ausrastet, sich abwechseln mit Szenen, die aus ihrer Erinnerung oder Einbildung stammen können.

Wessen Bewusstsein hier erzählt, bleibt vage. Ist es Grace, die sich selbst den Halt verlieren sieht, ihr Ehemann Jackson (Robert Pattinson), der sich immer mehr rauszieht, oder fungiert gar das abgelegene Haus, in das die beiden zu Beginn des Filmes einziehen, als beobachtende Entität? Zugleich involviert und distanziert, von oben und innen betrachtet der Film, wie die vermeintliche Landidylle für Grace zu einer Falle aus Langeweile und Verantwortung wird. Sie wird immer gebraucht, niemand braucht sie. Sie ist vor allem Körper, Mutterkörper. Ziel- und ankerlos durchläuft sie eine Abfolge von zu- und abnehmenden Bewusstseinszuständen, Spiel, Sinnlichkeit, Depression, Aggression, Dissoziation, Wahn.

Dabei verlässt Ramsay so sehr das Terrain von Logik und Handlung, dass der Film manchmal wie ein Experiment in Filmgestaltung wirkt, eine Übung in der Erzeugung größtmöglicher Intensitäten. Zentral ist Jennifer Lawrence, die sich ihrer Rolle mit einer Vehemenz annimmt, die alle anderen Mitspielenden verblassen lässt.

Hendrike Bake

Details

Originaltitel: Die, My Love
USA/Großbritannien 2025, 122 min
Sprache: Englisch
Genre: Psychodrama, Experimentalfilm, Thriller
Regie: Lynne Ramsay
Drehbuch: Lynne Ramsay, Enda Walsh
Kamera: Seamus McGarvey
Schnitt: Toni Froschhammer
Musik: Raife Burchell, Lynne Ramsay, George Vjestica
Verleih: MUBI Deutschland
Darsteller: Jennifer Lawrence, Robert Pattinson, Sissy Spacek, Nick Nolte, Lakeith Stanfield
Kinostart: 13.11.2025

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Die My Love

(Die, My Love) | USA/Großbritannien 2025 | Psychodrama, Experimentalfilm, Thriller | R: Lynne Ramsay

In ihrer Adaption von Harwicz’ Roman übersetzt Ramsay die eminent literarische Form des inneren Monologs in ein fast ausschließlich visuelles Format.

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