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Die Haut der Anderen

Zwei Einzelgänger

DIE HAUT DER ANDEREN erzählt davon, wie sich zwei Einzelgänger mit Akzeptanz und Kommunikation gegenseitig aus ihrer Isolation helfen, und einander von ihren sexuellen Obsessionen „heilen“.

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Enthält Spoiler: Bei einer Lesung lernt die Krankenschwester Justine Marc Deville kennen, so der Künstlername des Berliner Autors erotischer Romane. Zwischen beiden knistert es heftig, aber beide kommen mit "Gepäck". Von Justine wissen wir, dass sie auf ausgestopfte Tiere steht und darauf, beim Sex gewürgt zu werden. Sie ist mit einem Theaterregisseur verheiratet, der sie schlägt, nur um sie dann am nächsten Tag verstört und reumütig auf Rosen zu betten. Marc masturbiert mehrmals täglich und sieht Frauen gerne von weit weg zu. Auf Angefasstwerden reagiert er panisch. DIE HAUT DER ANDEREN erzählt sensibel, wie diese beiden einander als "anders" erkennen und gerade darüber eine spezielle Verbindung aufbauen, aber auch, wie ihre Bedürfnisse nach extremer Nähe zum einen und extremer Distanz zum anderen eine erfüllte Beziehung verhindern. In einer Schlüsselszene nimmt Marc Justine in ein Hotel mit und bittet sie, sich auszuziehen, während er über einen Monitor von einem anderen Raum aus zusieht. Sie ist nicht die erste Frau, die er in diese Fantasie verwickelt. Aber während die letzte Kandidatin verletzt abgerauscht ist, geht Justine nach einer Weile einfach hinüber zu Marc in sein Zimmer und sagt freundlich: "Entschuldige, das funktioniert für mich nicht". DIE HAUT DER ANDEREN erzählt davon, wie sich zwei Einzelgänger mit Akzeptanz und Kommunikation gegenseitig aus ihrer Isolation helfen. Der Film zeichnet beide Figuren dabei glaubhaft und angenehm komplex und nimmt ihre Fantasien ernst.

Neben diesem wenn man so will aufklärerischen Anspruch durchziehen widersprüchlich konservative Positionen die Erzählhaltung von DIE HAUT DER ANDEREN. Der Film verdammt Justine und Marc zwar nicht für ihre „abweichenden“ sexuellen Bedürfnisse, aber er konnotiert diese als belastend und antisozial. Um ein erfülltes Leben zu führen, so scheint es, müssen die beiden einander von ihren Obsessionen „heilen“. Marc muss lernen, Berührungen zuzulassen, und was Justine mit ihrem Wunsch nach harten SM-Spielen anfangen soll, bleibt unklar. Ein Weg, der mehr Nähe und zugleich möglicherweise mehr Lust beinhalten könnte, scheint nicht einmal ansatzweise auf. Was mich jedoch weit mehr irritiert hat, war die Haltung, die Marc und auch der Film gegenüber Frauen einnimmt. Ganz am Anfang erniedrigt Marc eine Prostituierte – einfach weil er schlecht drauf ist und möchte, dass Justine sich schlecht fühlt. Weder für den Film noch für Marc oder Justine scheint diese Begebenheit später noch irgendeine Rolle zu spielen, die beteiligte Frau verschwindet aus der Geschichte. In einer Szene – quasi der Spiegelszene zu der oben erwähnten Hotelzimmerszene - bittet Justine Marc, diesmal ihre sexuellen Wünsche zu erfüllen und sie zu würgen. Er rastet aus, wirft sie aus dem Zimmer und bricht den Kontakt ab. Justine sucht ihn dennoch zu Hause auf und bittet ihn um einen weiteren Versuch. Wieder einmal ist es die Frau, die die Beziehungsarbeit übernimmt, noch dazu eine Frau, die, wie wir wissen, bereits eine missbräuchliche Beziehung hinter sich hat. Als Marc sie fragt, was denn mit ihrem Mann sei, sagt sie "Der kommt alleine zurecht. Du brauchst mich mehr." Der Film versteht das als Liebeserklärung.

Details

Deutschland 2016, 110 min
Genre: Drama
Regie: Thomas Stiller
Drehbuch: Thomas Stiller
Kamera: Marc Liesendahl
Schnitt: William James
Musik: Fabian Römer
Verleih: Filmdisposition Wessel
Darsteller: Isabel Thierauch, Oliver Mommsen, Torsten Michaelis, Judith Hoersch, Marco Hofschneider
FSK: 16
Kinostart: 19.04.2018

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