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Die Hände meiner Mutter

Nach dem Missbrauch

Auf einer Familienfeier erinnert sich Markus auf einmal an den Missbrauch, den er als kleiner Junge durch seine Mutter erfahren hat, und konfrontiert sie damit. Der Film zeigt, wie die Erschütterung immer weitere Kreise zieht und letztendlich jeden in Familie und Umfeld betrifft.

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Eine alltägliche, sehr bürgerliche Familienfeier: Bötchenfahrt, Abendessen, mehr oder weniger freiwillige Reden, Frühstücksbuffet und wieder zurück. Verwandte, deren Namen man nicht mehr weiß, Getuschel übers Erbe, Wahlverwandtschaften und Animositäten, alles im Rahmen. Aber dann triggert ein Ereignis Markus‘ Erinnerung: Von einem Besuch auf der Toilette, bei dem die Großmutter dabei war, kommt sein achtjähriger Sohn Adam mit einer Schramme am Kopf zurück. Markus erinnert sich auf einmal an den Missbrauch durch seine Mutter, an die Vertuschung innerhalb der Familie und an die Gerüchte damals im Dorf, von denen nie klar war, wer sie in Umlauf gebracht hat. Markus konfrontiert seine Mutter und die streitet wider Erwarten nichts ab, sondern sitzt einfach ruhig da beim Treffen im Café und sagt „Ich weiß, dass man das nicht entschuldigen kann, aber wenn du das möchtest, bitte ich dich um Verzeihung.“ DIE HÄNDE MEINER MUTTER fängt dort an, wo viele Filme über Missbrauch aufhören: Das Unfassbare wird ausgesprochen und auch eingestanden. Aber das ist nur ein erster Schritt. Der Film zeigt, wie nach dem ersten Einschlag erst einmal Stille herrscht und sich der Druck dann wellenförmig ausbreitet. Nach innen beginnt ein Auflösungsprozess, der Markus von Therapeut zu Therapeut führt. Nach außen erfasst die Nachricht immer weitere Kreise. Letztlich sind alle in der Familie betroffen. Für seinen Film hat Florian Eichinger ausgiebig recherchiert und mit vielen Betroffenen gesprochen. Deren Erfahrungen sind in an vielen Stellen eingeflossen: In Markus` Gesprächen mit den verschiedenen Therapeuten hört man geradezu die verschiedenen Stimmen. Vor allem gegen Ende funktioniert DIE HÄNDE MEINER MUTTER dadurch eher als exemplarische Versuchsanordnung denn als emotional mitreißendes Drama. Für zusätzliche – wohltuende - Distanz sorgt die Regieentscheidung, das Kind Markus in den erinnerten Szenen mit dem Erwachsenen Schauspieler zu besetzen. Das macht einerseits die emotionale Gegenwart der vergangenen Ereignisse deutlich - und vermeidet, selbst exploitative Bilder von Kindesmissbrauch zu produzieren.

Hendrike Bake

Details

Deutschland 2016, 110 min
Genre: Drama
Regie: Florian Eichinger
Drehbuch: Florian Eichinger
Kamera: Timo Schwarz
Schnitt: Jan Gerold
Musik: André Feldhaus
Verleih: farbfilm verleih GmbH
Darsteller: Jessica Schwarz, Heiko Pinkowski, Andreas Döhler, Karin Pollitt
FSK: 12
Kinostart: 01.12.2016

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