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Die Hälfte der Stadt

Fotograf und Erinnerung

Die Geschichte der polnischen Stadt Kozienice an der Weichsel, in der Polen, Juden und Deutsche nebeneinander lebten, ist durch zwei Kriege vernichtet worden. Alle Dokumente sind verschwunden. Wie durch ein Wunder sind aber die Glasnegative des jüdischen Fotografen Chaim Berman erhalten geblieben, der seit dem ersten Weltkrieg die Bewohner der Stadt porträtiert hat.

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Die Geschichte der polnischen Stadt Kozienice an der Weichsel, in der Polen, Juden und Deutsche nebeneinander lebten, ist durch zwei Kriege vernichtet worden. Alle Dokumente sind verschwunden. Wie durch ein Wunder sind aber die Glasnegative des jüdischen Fotografen Chaim Berman erhalten geblieben, der seit dem ersten Weltkrieg die Bewohner der Stadt porträtiert hat. Die Geschichte seiner Familie rekonstruiert der Film DIE HÄLFTE DER STADT in Gesprächen mit Nachbarn und Verwandten des Fotografen und Kindern von Freunden der Bermans, sowie in einfachen, expressionistischen Animationen. Berman hat alle fotografiert, die deutschen Bauern, polnische Geschäftsleute, Mitglieder der großen jüdischen Gemeinde – in Kozienice lebten zur letzten Jahrhundertwende 6000 Juden neben 4000 Polen. Auch als die Deutschen die Stadt besetzten, fotografierte Berman weiter. In seinem Archiv finden sich zahlreiche Fotos von Nazi-Besatzern in Uniform, aber auch von deutschen Nachbarn, die sich NSDAP-Organisationen wie dem „Heimatschutz“ angeschlossen hatten. Selbst als die Juden von Kozniece in ein winziges Ghetto gesperrt wurden, fotografierte Berman. Die Leute machten sich fein, hielten den Kopf hoch, trotzten den Erniedrigungen. Während der größte Teil der Kozienicer Juden in Güterwaggons gezwungen und in Treblinka ermordet wurde, zwangen die Deutschen Chaim Berman und seine Söhne, Massengräber auszuheben. Zwei junge Fotografen laufen durch Kozienice und fotografieren die Stadt aus den Perspektiven, die Chaim Berman auf seinen Bildern eingenommen hatte. Am Computer legen sie die Bilder der Ermordeten, Verjagten und Verschwundenen über die heutigen Fotos, geisterhaft transparent. "Ich bin besessen von diesen Bildern", sagt der Fotograf. Wie anders sollte Erinnerung sich auch äußern in einer Stadt, in der die Hälfte der Bevölkerung ermordet wurde.

Hannes Stein

Details

Deutschland 2015, 88 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Pawel Siczek
Drehbuch: Pawel Siczek
Kamera: Daniel Samer
Schnitt: Ulrike Tortora
Musik: Roman Bunka
Verleih: Real Fiction Filmverleih
Kinostart: 05.11.2015

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