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Die Geschichte meiner Frau

Kapitän, gestrandet

Ildikó Enyedis Verfilmung des Romans von Milán Füst wechselt zwischen Szenen auf See, wo Routine und eine große, schöne Klarheit herrschen, und Szenen an Land, in denen Kapitän Jakob Störr mit den Untiefen menschlicher Beziehungen zu kämpfen hat.

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Europa in den 1920er Jahren. Der niederländische Kapitän Jakob Störr (Gijs Naber) ist ein ruhiger Mann mit sehr blauen Augen und einer bedächtigen, aber entschlossenen Art. Als er sich entschließt zu heiraten, spricht er, eigentlich zum Scherz, die erste Frau an, die ein Café betritt. Es ist die Pariserin Lizzy (Léa Seydoux), die, ebenfalls aus einer Laune heraus, einwilligt. Ildikó Enyedis Verfilmung des in Form eines inneren Monologs geschriebenen Romans von Milán Füst aus dem Jahr 1942 wechselt zwischen Szenen auf See, wo Routine und eine große, schöne Klarheit herrschen, und Szenen an Land, in denen der Kapitän mit den Untiefen menschlicher Beziehungen zu kämpfen hat. Nachdem die spontane Ehe kurz überraschend gut funktioniert und tiefe Gefühle weckt, schleichen sich bei Jakob schon bald Misstrauen und Eifersucht ein. Lizzy reagiert kühl und undurchschaubar. Etwas undurchschaubar bleibt auch die Paardynamik: Als Zuschauerin kommt man den Personen wenig nahe und verfolgt das lange Wechselspiel von Nähe und Distanz aus der Ferne. Die literarischen Dialoge verstärken einen Verfremdungseffekt, der dem Film etwas Parabelhaftes verleiht. Schon Ildikó Enyedis Berlinale-Gewinner KÖRPER UND SEELE erzählte von einer Beziehung auf einer metaphorischen, nicht auf einer naturalistischen Ebene. Vielleicht findet die eigentliche Romanze des Films aber auch gar nicht zwischen Jakob und Lizzy statt, sondern zwischen Jakob und dem Meer: Sie findet sich in einer ruhigen langen Fahrt entlang einer Werft, im Tanz der kleinen Motorboote in den Hamburger Kanälen, im Glitzern des Meeres an einem blauen Tag, im Bild eines jungen Matrosen, der auf Tauwerk in der Sonne döst, im Shanty, den Jakob einmal wie zum Trotz in einem feinen Salon zum Besten gibt.

Toni Ohms

Details

Originaltitel: A feleségem története
Deutschland/ Frankreich/ Italien/ Ungarn 2021, 169 min
Genre: Drama, Romance
Regie: Ildikó Enyedi
Drehbuch: Ildikó Enyedi
Kamera: Marcell Rév
Musik: Adam Balazs
Verleih: Alamode Film
Darsteller: Léa Seydoux, Louis Garrel, Jasmine Trinca, Gijs Naber, Sergio Rubini
FSK: 12
Kinostart: 04.11.2021

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