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Die Familie

Das hatten wir alles schon einmal

In seinem Dokumentarfilm DIE FAMILIE interviewt Stefan Weinert die Hinterbliebenen von Menschen, die durch Todeschüsse an der Mauer ums Leben kamen und fragt, was aus den Tätern geworden ist.

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Zwei Filme im November werfen ganz ähnliche Fragen auf. Während IM LABYRINTH DES SCHWEIGENS an die Auschwitz-Prozesse erinnert, die erstmals auch ganz „normale“ Menschen für die Gräueltaten in den KZ zur Verantwortung zogen, rückt Stefan Weinert in seinem Dokumentarfilm DIE FAMILIE jene in den Fokus, die zwischen 1961 und 1989 tödliche Schüsse entlang der innerdeutschen Grenze abfeuerten. Auch diese Täter argumentierten, dass Grenzsoldaten nur am unteren Ende der Fahnenstange saßen und Befehle ausführten. 25 Jahre nach dem Mauerfall bittet Weinert die Hinterbliebenen vor die Kamera, um ein für die Leinwand noch weitgehend unbearbeitetes Stück DDR-Geschichte aufzubereiten. In Interviews schildern die Hinterbliebenen ihre Erinnerungen, sie gehen noch einmal an die Schauplätze zurück, besuchen Gräber, lesen aus spröden Stasi-Akten und konfrontieren sich sogar mit Tätern. Irmgard Bittner verlor ihren Sohn, als dieser beim Fluchtversuch an der Mauer erschossen wurde. Bis heute weiß sie nicht, was genau geschah, noch wo der Tote damals hingebracht wurde. Dass Weinert bei den Dreharbeiten mit viel Feingefühl vorgegangen sein muss, zeigt sich, als Bittner, die anfänglich noch mit Zurückhaltung ihren Schrein für den Toten präsentiert, irgendwann ihren Rachegefühlen freien Lauf lässt. Im zweiten Teil seines Films öffnet Weinert den Blick für gesellschaftliche Zusammenhänge und verleiht damit den Schilderungen der Angehörigen weitere Brisanz. Ein ehemaliger Justizmitarbeiter hat die Mauerschützen-Prozesse Anfang der 90er begleitet und versteht nicht, warum manche Mitwisser nahtlos ins neue System integriert wurden. „Geschichte wiederholt sich“, sagt eine der Hinterbliebenen resigniert. „Das hatten wir alles schon einmal.“ Nach 1945 meint sie. DIE FAMILIE ist ein Plädoyer dafür, die Mauer des Schweigens zu durchbrechen.

Eileen Reukauf

Details

Deutschland 2013, 92 min
Sprache: Deutsch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Stefan Weinert
Drehbuch: Stefan Weinert
Kamera: Frederik Walker, Benjamin Greulich
Schnitt: Ruben S. Bürgam
Verleih: Basis-Film-Verleih
FSK: 12
Kinostart: 06.11.2014

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