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Der Unsichtbare

Manipulationstechniken von Stalkern

THE INVISIBLE MAN ist vollständig auf Elizabeth Moss zugeschnitten, deren Präsenz, Furchtlosigkeit und Wandelbarkeit jede Szene dominiert.

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Leigh Wannells Version der klassischen Psycho-Horror-Figur des UNSICHTBAREN, die von H. G. Wells als Parabel auf die Verführung zum Bösen durch Macht entwickelt wurde, erzählt eine moderne Stalker- und Gaslighting-Geschichte, die sich weniger für die Psychologie des INVISIBLE MAN selbst interessiert, als für Manipulationstechniken, die es auch ohne Superkräfte gibt, und für die Opfer der Manipulation. Cecilia (Elizabeth Moss) flieht in der Nacht vor ihrem kontrollsüchtigen und gewalttätigen Ehemann. Sie entkommt, ist aber so schwer traumatisiert, dass selbst der Weg zum Briefkasten zu einer Psychotortur wird.
Die Szenen zu Beginn des Films, in denen der Unsichtbare nicht einmal in Erscheinung tritt, aber Cecilia in permanenter Panik ist, und meint, seine Anwesenheit zu spüren, zählen zu den stärksten des Films. Die Kamera übernimmt immer wieder Cecilias Blick in leere dunkle Zimmerecken, Korridore und Straßen, in denen nichts zu sehen ist. Nur die Intensität von Elizabeth Moss‘ Darstellung gibt diesen Szenen Spannung, und tatsächlich vermittelt sich etwas von der dauernden Bedrohung durch unsichtbar bleibende Stalker. Kurz darauf erfährt Cecilia, dass ihr Ehemann sich das Leben genommen haben soll und ihre eine hohe Summe vermacht hat, unter der Bedingung, dass Cecilia weder wegen eines Verbrechens verurteilt wird, noch dass sie wegen einer psychischen Erkrankung zwangseingewiesen wird. Natürlich ist das ein Racheplot des Verlassenen, der Cecilia zunächst von ihren Freuden und ihrer Familie entfremden, und sie dann in den Augen der anderen als wahnsinnig erscheinen lassen will.
THE INVISIBLE MAN ist vollständig auf Elizabeth Moss zugeschnitten, deren Präsenz, Furchtlosigkeit und Wandelbarkeit jede Szene dominiert. Die Spezialeffekte und Schockmomente sind präzise inszeniert, mit einigen Referenzen zur klassischen Version des UNSICHTBAREN von James Whale (1933). Unter den Reboots klassischen Universal-Horrors der 30er Jahre ist THE INVISIBLE MAN sicher der beste Film. Allerdings setzt sich der Film exakt zwischen die Stühle, die aktuell Kinoerfolge ermöglichen: Für die Horrorgemeinde ist der Film zu altmodisch, für die Filmkunstgemeinde ist THE INVISIBLE MAN womöglich zu blutig. Dabei ist der Film, von einem ziemlich haarsträubenden Plot-Element, das später die Schlusspointe ermöglicht, einmal abgesehen, ein exzellenter Universal-Thriller mit der besten Hauptdarstellerin, die das internationale Kino aktuell zu bieten hat.

Tom Dorow

Details

Originaltitel: The Invisible Man
Brasilien/USA 2020, 125 min
Genre: Horror, Science Fiction, Thriller
Regie: Leigh Whannell
Drehbuch: Leigh Whannell
Kamera: Stefan Duscio
Verleih: Universal Pictures
Darsteller: Elisabeth Moss, Oliver Jackson-Cohen, Aldis Hodge, Storm Reid, Benedict Hardie
FSK: 16
Kinostart: 27.02.2020

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