Entfernung über GPS
ab PLZ

Der Samurai

Das Unwohlsein des Berliners im Umland

Ist der SAMURAI, der sich in Brandenburg herumtreibt, ein Psychopath oder nur die blutige Rachefantasie eines jungen Polizisten, der sich unter den sexistischen Dorfbewohnern sichtlich unwohl fühlt? Der erste Langspielfilm des in Berlin geborenen Till Kleinerts ist extrem unterhaltsames, brachiales, queeres Genrekino.

Mehr

Für einen Film, der nur knapp über eine Stunde lang ist, hat DER SAMURAI auf der Berlinale ganz ordentlich Wirbel gemacht. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen, die nicht besonders viel mit Till Kleinerts Film an sich zu tun haben. Genrefilme, vor allem Thriller- und Horrorfilme tauchen in allen Sektionen der Berlinale nur selten auf. Das deutsche Genrekino hat sich zwar in den letzten Jahren zwar lautstärker artikuliert als seit langem, aber man benötigt schon einen sehr gnädigen Blick, um an Filmen wie BLUTGLETSCHER, GEFÄLLT MIR oder selbst größeren Produktionen wie DIE KOMMENDEN TAGE Potentiale zu entdecken. Kleinerts SAMURAI tobt mit einem echten Anliegen und scharfer Klinge durch diese trostlose Landschaft und sorgt für ein echtes Aha-Erlebnis.
Ein typisch brandenburgisches Kaff an der polnischen Grenze. In den Wäldern treibt sich ein Wolf herum, die Dorfpolizisten sind im Jagdfieber, nur der junge Polizist Jakob verhält sich seltsam und scheint den Wolf sogar zu füttern. Er wird zu einem Notfall gerufen und findet dort einen Mann im weißen Abendkleid mit einem japanischen Schwert in der Hand. Der versucht ihn zu verführen und massakriert im Laufe eines Katz- und Maus-Spiels erst Vorgärten und Gartenzwerge, dann Wachhunde, bis er schließlich die Dorfbewohner absticht, verstümmelt und köpft. Ist der SAMURAI ein Psychopath oder nur eine blutige Rachefantasie des jungen Polizisten, der sich unter den sexistischen Dumpfbacken im Dorf sichtlich unwohl fühlt? Der erste Langspielfilm des in Berlin geborenen Till Kleinerts ist extrem unterhaltsames, brachiales queeres Kino, nimmt aber auch das typische Unwohlsein auf, das Berliner öfter mal bei Ausflügen ins etwas weiter entfernte Umland empfinden, dorthin, wo man sich unter Deutschlandfahnen zum Saufen trifft.

Tom Dorow

Details

Deutschland 2014, 80 min
Genre: Fantasy, Horror, Thriller
Regie: Till Kleinert
Drehbuch: Till Kleinert
Kamera: Martin Hanslmayr
Schnitt: Till Kleinert
Musik: Conrad Oleak
Verleih: Salzgeber
Darsteller: Pit Bukowski, Uwe Preuss, Michel Diercks, Ulrike Hanke-Hänsch, Kaja Blachnik
FSK: 16
Kinostart: 30.10.2014

Website
IMDB

Vorführungen

Vorführungen

ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR.
Die Inhalte dieser Webseite dürfen nicht gehandelt oder weitergegeben werden. Jede Vervielfältigung, Veröffentlichung oder andere Nutzung dieser Inhalte ist verboten, soweit die INDIEKINO BERLIN UG (haftungsbeschränkt) nicht ausdrücklich schriftlich ihr Einverständnis erklärt hat.