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Der Salzpfad

„Eigentlich sind wir obdachlos“

Nachdem ihre Farm gepfändet wurde, wandern Ray und Moth den South West Coast Path an der britischen Küste entlang. Nach dem gleichnamigen Bestseller von Raynor Winn.

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DER SALZPFAD ist ein Reisefilm nach dem Bestseller gleichen Titels von Raynor Winn, in dem Winn ihre Erfahrungen auf einer Wanderung mit ihrem an einer unheilbaren degenerativen Neuropathie erkrankten Mann Moth entlang des South West Coast Path, der über rund 1000 Kilometer um die Südwestküste Englands führt, aufgeschrieben hat. Der Unterschied zu ähnlichen Krankheitsreisefilmen: Ray (Gillian Anderson, „Sex Education“, „Akte X“) und Moth (Jason Isaacs, THE DEATH OF STALIN, „The White Lotus“) wandern nicht ganz freiwillig, sondern weil ihre Farm und ihr gesamter Besitz verpfändet wurden. Sie sind obdachlos und ohne Einkommen, bis auf eine „Steuerrückzahlung“ von 40 Pfund in der Woche.

Also laufen sie los, mit dem Reiseführer des britischen „Wanderpapstes“ Paddy Dillon über den South West Coast Path und Seamus Heaneys Beowulf-Übersetzung in der Tasche. Die ersten Tage gibt es noch Pommes (Chips) und Scones, dann wird das Geld knapp. Die Wanderer essen Nudeln und Reis, ohne Sauce. Wasserflaschen müssen aufgefüllt werden, und wenn sie, selten, in einem Pub gehen, bestellen sie heißes Wasser und ziehen den mitgebrachten Teebeutel durch zwei Tassen. An der englischen Südküste geht es ständig auf und ab, und selbst „sanfte“ Anstiege machen Moth zu schaffen, von solchen, die Paddy Dillon als „eine gewisse Herausforderung“ bezeichnet, ganz zu schweigen. Es ist heiß, es regnet, es ist kalt. Alles, was Campinghasser am Camping hassen können, erhalten Ray und Moth serviert. Das Gepäck ist schwer und die Schlafsäcke nicht warm genug. Mit touristisch Wandernden haben die beiden wenig gemein. Gespräche enden, wenn sie auf die Frage, ob sie in Rente seien, antworten: „Eigentlich sind wir obdachlos.“ Dennoch gibt es Momente einer glücklichen Selbstvergessenheit, das Licht und das Meer.

Gillian Anderson als Ray und Jason Isaacs als Moth sind herausragende Darsteller, die hinter ihren Figuren verschwinden. Anderson gibt ihrer Ray eine lang trainierte, angestrengte Stärke, Jason Isaacs spielt Moth als einen gedemütigten Typen, dessen Investition die Familie ruiniert hat, und der sich allmählich, hinkend und schwitzend, aus der Depression über den angekündigten Tod und der Scham über den Bankrott schleppt. Ray und Moth waren Bürger, jetzt sind sie wirklich Außenseiter, nicht Aussteiger. Der Film zeigt, wie sie eine Art Obdachlosenstolz entwickeln, und wie sich Maßstäbe verschieben. Als ein vergessenes Abonnement die vierzig Pfund auffrisst, die sie zum Überleben brauchen, und es ihnen gelingt, für Moths Beowulf-Rezitation genug Geld für einen Snack zu sammeln, ist das ein Triumph des Moments.

Ganz entkommt natürlich auch DER SALZPFAD nicht den Klischees des Reisefilmgenres. Die Landschaft wird schön präsentiert, alle Hindernisse werden überwunden, die Erfahrung scheint selbst die Krankheit aufzuhalten. Aber die Wahrnehmungsverschiebung in Bezug auf das, was Geld bedeutet, ist hier anders als in den meisten Aussteigerfilmen. Wenn Ray am Ende mit sehr harter Arbeit 1500 Pfund (knapp 1800 €) verdient, findet Moth, davon könnten sie doch ein halbes Jahr leben und wieder wandern gehen.

Tom Dorow

Anmerkung der Redaktion

In den letzten Tagen ist eine Diskussion darum entbrannt, in welchem Maße Buch und Film DER SALZPFAD auf Tatsachen basieren. Am 5.7. erschien eine Recherche im britischen Observer, die die Umstände unter denen Raynor und Moth Winn (aka Sally und Tim Walker) damals ihr Haus verloren, und die auch Moth' gesundheitliche Diagnose in Frage stellte. Inzwischen hat Raynor Winn eine Gegendarstellung veröffentlicht.

Details

Originaltitel: The Salt Path
Großbritannien 2024, 115 min
Genre: Drama
Regie: Marianne Elliott
Drehbuch: Rebecca Lenkiewicz
Kamera: Hélène Louvart
Schnitt: Lucia Zucchetti, Gareth C. Scales
Musik: Chris Roe
Verleih: DCM Film Distribution
Darsteller: Gillian Anderson, Jason Isaacs, James Lance, Hermione Norris
Kinostart: 17.07.2025

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