Entfernung über GPS
ab PLZ

Der Perlmuttknopf

Geschichte der Grausamkeit

DER PERLMUTTKNOPF ist ein poetischer und politischer Dokumentarfilm über das Verhältnis der Chilenen zum Wasser, über die „Wasservölker“ Patagoniens und den Völkermord der Kolonisten an ihnen, über den Terror der Pinochet-Junta, die die Leichen der zu Tode gefolterten Menschen ins Meer warf.

Mehr

Patricio Guzmán dreht seit über 40 Jahren politische und poetische Dokumentarfilme. DER PERLMUTTKNOPF verführt zunächst in den Glauben, man sehe einen hübschen, etwas esoterisch angehauchten Film über die Schönheit des Wassers. Guzmán erzählt, es sei aus dem Weltall auf die Erde gekommen und ein Mittler zwischen unserer Welt und dem Kosmos. Dazu gibt es prächtige Bilder der patagonischen Küste: Gletscher, Wellen, Gischt. Gerade glaubt man, sich in die Bilder wie in warme Kissen fallen lassen zu können, da wendet sich der Film der Geschichte Chiles und Patagoniens zu. Die indigenen Völker Patagoniens hätten im Einklang mit der Natur und dem Wasser gelebt, sagt Guzmán. Vier überlebende Patagonier erinnern sich ans Tauchen nach Meeresfrüchten, an lange Reisen im Kanu, an die Technik des Paddelns, an die Navigation, daran, wie es ist, im Kanu Kap Hoorn zu umrunden. Und dann geht es um die Vernichtung ihrer Völker, deren systematische Brutalität nicht grausamer sein könnte. Von 8000 Patagoniern überlebten zwanzig. An dem Ort, an dem diese Völker von den Kolonisten zusammengetrieben und in „Missionen“ gepfercht wurden, der Insel Dawson, befand sich später ein Foltergefängnis der Junta des Generals Pinochet, dessen von den USA finanzierter Putsch auch die Rückgabe der geraubten Gebiete an die indigenen Völker, die die Regierung Allende plante, stoppte. Tausende Menschen wurden zu Tode gefoltert, an Eisenbahnschienen gefesselt und ins Meer geworfen. Guzmán rekonstruiert die Morde, lässt nach den Schienen tauchen. Das Wasser wird zu einer anderen Art von Mittler: Es birgt die Grausamkeit der Geschichte. Das Motto des Films „Wir sind alle Ströme des selben Wassers“, ein Zitat des Dichters Raul Zurita, wendet sich in die Forderung, global Verantwortung für diese Grausamkeiten zu übernehmen und entwickelt eine unerwartete politische Kraft. Ein unvergesslicher Film.

Tom Dorow

Details

Originaltitel: El botón de nácar
Frankreich/Spanien/Chile 2015, 82 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Patricio Guzmán
Drehbuch: Patricio Guzmán
Kamera: Katell Djian
Schnitt: Emmanuelle Joly
Musik: Jose Miguel Miranda, Jose Miguel Tobar
Verleih: Real Fiction Filmverleih
Kinostart: 10.12.2015

Website
IMDB

Vorführungen

Vorführungen

ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR.
Die Inhalte dieser Webseite dürfen nicht gehandelt oder weitergegeben werden. Jede Vervielfältigung, Veröffentlichung oder andere Nutzung dieser Inhalte ist verboten, soweit die INDIEKINO BERLIN UG (haftungsbeschränkt) nicht ausdrücklich schriftlich ihr Einverständnis erklärt hat.