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Der Krieg in mir

Vererbte Traumata

Der Filmemacher Sebastian Seidler träumt vom Krieg. Beide seiner Großväter waren Soldaten, aber Seidler hat vor allem Opa Hans im Verdacht, in Weißrussland Kriegsverbrechen begangen zu haben. Gemeinsam mit seinem Vater folgt er den Spuren des Großvaters und spricht mit Expert*innen über die Vererbbarkeit von Traumata.

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Der Filmemacher Sebastian Seidler träumt vom Krieg. Beide seiner Großväter waren als Soldaten im Krieg, aber Seidler hat vor allem Opa Hans im Verdacht, in Weißrussland Kriegsverbrechen begangen zu haben. Der Filmemacher folgt einerseits gemeinsam mit seinem Vater den Spuren des Großvaters und befragt andererseits die Genetikerin Isabelle Mansuy und die „Somatic Experiencing®-Therapeuten“ Peter A. Levine und Anngwynn St. Just nach der Vererbbarkeit von Traumata. DER KRIEG IN MIR steht mindestens teilweise in der esoterischen Tradition einer „Aufarbeitung“ deutscher Geschichte, die vor allem am eigenen Wohlbefinden interessiert ist. Vor einigen Jahren bot etwa das esoterische „Integrale Forum“, das immer wieder auch Levine und St. Just vorstellt, im Audimax der FU Berlin eine Veranstaltung an, in dem der Holocaust durch Meditation überwunden werden sollte. Was die Therapeuten Seidler erzählen, ist dann auch das Erwartbare: Wir sind alle traumatisiert, die Erfahrungen der Ahnen spiegeln sich in den Abwehrhaltungen der Körper etc. Angstmacherei und tröstlicher Unsinn für diejenigen, die dafür bezahlen mögen.
Seidlers Film ist im Gegensatz zu diesen zynischen Ansätzen auch von einem ehrlichen Interesse an der Vergangenheit getrieben. Seidlers recherchiert in Archiven, wo genau sein Großvater stationiert war und verwundet wurde und was die Deutschen in diesen Gegenden gemacht haben, und findet heraus, das gerade in der Umgebung, in der „Opa Hans“ verwundet wurde, ganze Dörfer vernichtet wurden. Er fährt nach Weißrussland, besucht Museen, Theater und eine Re-Enactment-Gruppe und sucht nach den Resten des zerstörten Dorfes, in dem sein Großvater verwundet wurde. Während seine Reisebekanntschaften ihn sonst vor allem mit „Wir sind heute alle Freunde“-Sprüchen vertrösten, trifft er dort auf einen sehr wütenden alten Mann.

Tom Dorow

Details

Deutschland/Schweiz 2019, 83 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Sebastian Heinzel
Drehbuch: Sebastian Heinzel
Kamera: Adrian Stähli
Schnitt: Sascha Seidel
Musik: Cassis B. Staudt
Verleih: Filmdisposition Wessel
FSK: 6
Kinostart: 05.03.2020

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