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Der Hauptmann

Posen der Macht

Kaum hat der 19-jährige Gefreite und mögliche Deserteur Willi Herold eine Hauptmanns-Uniform gefunden, beginnt er, Posen der Macht zu erproben.

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Robert Schwentkes Film DER HAUPTMANN ist einer der genauesten Filme über den Faschismus seit Pasolinis SALÓ ODER DIE 120 TAGE VON SODOM. Er beginnt mit einer Flucht, die zugleich ein sadistisch-geiles Sportvergnügen für die Jäger ist. Der 19-jährige Gefreite und mögliche Deserteur Willi Herold (Max Hubacher) versucht 1945, einem Schützenpanzer fahrenden, johlenden Mob unter Leitung des Hauptmanns Junker (Alexander Fehling) zu entkommen. Nachdem Herold entkommen ist, findet er eine Hauptmanns-Uniform in einem verlassenen Fahrzeug. Kaum hat er sie angezogen, beginnt er, Posen der Macht zu erproben, und kurz darauf hat er schon den ersten Befehlsempfänger an sich gebunden. Eine Spirale setzt sich in Bewegung, einerseits gespeist aus der Panik, entlarvt und hingerichtet zu werden, und andererseits aus der Lust an der faschistischen Mordmacht und dem Vergnügen, dem eigenen Notstand entkommen und auf der Seite der Herrschaft angekommen zu sein. Herold versammelt eine ebenso unterwürfige wie sadistische Truppe um sich, die schließlich in einem KZ wieder auf Hauptmann Junker trifft.
Schwentke lässt seine Schauspieler beinahe expressionistisch agieren, immer in einem leicht überhöhten Ton. Hier wird etwas vorgeführt und ausgestellt, nicht nachgeahmt. DER HAUPTMANN, nach den tatsächlichen Ereignissen um den Kriegsverbrecher Willi Herold, ist wie Pasolinis letzter Film eine Versuchsanordnung zur Erkundung der faschistischen Gewaltstruktur. In Gewaltritualen, in denen auch hier jede Grausamkeit durch eine größere Quälerei überboten werden muss, entwickeln der Hauptmann und seine Kameraden bald eine Art Ästhetik und Pädagogik der Grausamkeit - ein präzises Bild faschistischer Herrschaftsstruktur. Dass der Film in einer Sex-Gewaltorgie und in einer Militärgerichtsverhandlung endet, in der Herolds „Kollegen“ dessen Disziplin und Effizienz loben, ist konsequent.

Tom Dorow

Details

Deutschland/Frankreich/Polen 2017, 118 min
Genre: Drama, Historienfilm, Kriegsfilm
Regie: Robert Schwentke
Drehbuch: Robert Schwentke
Kamera: Florian Ballhaus
Schnitt: Mike Czarnecki
Musik: Martin Todsharow
Verleih: Weltkino Filmverleih
Darsteller: Max Hubacher, Bernd Hölscher, Milan Peschel, Frederick Lau, Waldemar Kobus
FSK: 16
Kinostart: 15.03.2018

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