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Der Esel hieß Geronimo

Trauer nach dem Inselkoller

Die große Ochseninsel liegt in der Flensburger Förde. Bis 2016 wurde sie von einer deutschen Pächtergemeinschaft bewirtschaftet. Der Dokumentarfilm erzählt von Nachwehen eines zerbrochenen Traums.

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Die große Ochseninsel liegt in der Flensburger Förde. Bis 2016 wurde sie von einer deutschen Pächtergemeinschaft bewirtschaftet, aber es gab Unwetter, harte Winter, kurze Sommer, wenig Geld, schließlich Streit zwischen den letzten Verbliebenen, dem Architekten und Gaststättenbetreiber Rüdiger Fleck und den Fährleuten Olaf Klienke und Lars Lieberich. Der Fährbetrieb wurde eingestellt, schließlich wurde der Pachtvertrag aufgekündigt, und bis heute wird die Insel nicht wieder bewirtschaftet. Von dieser Geschichte erfährt man im Dokumentarfilm von Arjun Talwar und Bigna Tomschin wenig. Ihnen geht es um die Nachwehen des zerbrochenen Traums von einer Insel, die hier auch stellvertretend für viele gescheiterte Projekte stehen kann, die einmal mit viel Enthusiasmus und Liebe begannen, und dann am "Inselkoller“ scheiterten – oder aus anderen Gründen. Sie begleiten die letzten Bewohner der Insel, den spanischen Koch Bimsera Pasqual, die Fährmänner Ollie und Lars – und Rüdiger, den Ollie „das Arschloch“ nennt, der aber eigentlich genauso um seine Insel trauert wie alle anderen. Es ist Winter, die Männer sitzen auf ihren Booten am Hafen und trinken Flensburger aus der Flasche. Man könnte den Motor anschmeißen und einfach losfahren. Man könnte nach Grönland fahren, da kann man richtig Geld verdienen. Man könnte wieder auf Reisen gehen. Wenn es Neuigkeiten von der Insel gibt, neue Investoren, neue Ideen, reden sie kurz darüber, aber vor allem um zu sagen, dass sie das alles nichts mehr angeht: Man lebt nur einmal, und da hat man keine Zeit für sowas. Dann sitzen sie weiter rum und trinken Bier und trauern um die Insel. Es regnet viel. Aber irgendwann wird es Sommer, und es gibt Leute, die sich für die Insel interessieren. Die sieht der Film ohne zu urteilen, aber nach den traurigen Männern wirkt ihre Begeisterung aufdringlich und pietätlos, als würden sie auf einem toten Traum herumtrampeln.

Tom Dorow

Details

Deutschland 2018, 80 min
Sprache: Deutsch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Arjun Talwar, Bigna Tomschin
Musik: Daniel Sinaisky
Verleih: GM Films
Kinostart: 19.09.2019

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