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Das tiefste Blau

Flussdampfer der Freiheit

In einem dystopischen Brasilien der nahen Zukunft steht die Arbeiterin Teresa mit 75 Jahren vor der Deportation in eine „Altenkolonie“. Sie büxt aus, um ihren Traum vom Fliegen zu ermöglichen, landet aber auf einem Amazonasdampfer.

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Auf der Berlinale wurde DAS TIEFSTE BLAU (O Último Azul) mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Naheliegend wäre auch ein Preis für die beste darstellerische Leistung gewesen: Der Film spielt in einem sanft dystopischen Brasilien der nahen Zukunft und folgt den verschlungenen Wegen der Arbeiterin Tereza, die von Denise Weinberg mit souveränem Understatement gespielt wird. Tereza steht mit 75 kurz vor der Deportation in die neu installierte „Altenkolonie“, gerade hat sie eine ominöse Medaille erhalten und erfahren, dass die Altersgrenze herabgesetzt wurde. Zuvor will sie sich allerdings noch einen Wunsch erfüllen. Sie will einmal im Leben fliegen, aber da ihre Tochter als vom Staat eingesetzte Vormündin eine reguläre Flugbuchung verhindert, büxt Tereza aus und macht sich auf die Suche nach einer irregulären Möglichkeit. Ihre Suche führt sie auf den Amazonas, immer tiefer in den Dschungel hinein und schließlich auf einen alten Flussdampfer, mit dem eine andere alte Aussteigerin unermüdlich die Wasseradern kreuzt. Regisseur Gabriel Mascaro findet von Beginn an originelle Bilder für sein SciFi-Setting, aber so richtig halluzinogen-schön wird es, sobald Tereza sich aufs Wasser begibt. Träge treiben die Pflanzenreste auf dem riesigen Fluss mit seinen vielen Abzweigen, träge sind auch die Flussbewohner*innen, und gemütlich tuckern die robusten Zweitakter, die auch Tereza zu bedienen lernt. Es passiert nicht viel, und wie Terezas ursprünglicher Plan löst sich auch der Handlungsbogen zusehends im großen Strom auf. Aber hier, auf dem Wasser, findet Tereza zu einem anderen, glücklicher machenden Rhythmus. Hier, unter Existenzen, die man in der Stadt wohl als verkracht bezeichnen würde, eröffnen sich Möglichkeiten, das Leben anders zu leben, als das bisher der Fall war.

Toni Ohms

Details

Originaltitel: O ultimo azul
Brasilien/Mexiko/Chile/Niederlande 2025, 86 min
Genre: Drama
Regie: Gabriel Mascaro
Drehbuch: Tibério Azul, Gabriel Mascaro
Kamera: Guillermo Garza
Schnitt: Omar Guzmán, Sebastián Sepúlveda
Musik: Memo Guerra
Verleih: Alamode Filmdistribution
Darsteller: Denise Weinberg, Rodrigo Santoro, Miriam Socorrás
FSK: 6
Kinostart: 25.09.2025

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