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Das Milan-Protokoll

Zwischen Thriller und Lehrstück

Die deutsche Ärztin Martina wird im Irak entführt. Die Interessenlage ist kompliziert: Kurden benötigen das Panzerabwehrsystem „Milan“, verschiedene Geheimdienste sind involviert, der BND agiert ähnlich undurchsichtig wie die Entführer.

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Ein Ort im Nahen Osten: von Granatenbeschuss zerlegte Häuser, keine Menschenseele, ein ausgebranntes Autowrack, zwei verdreckte Hunde, die in leichter Zeitlupe durchs Bild gleiten... Der Alptraum, der Martina nachts umfing, verflüchtigt sich tags nicht. Als deutsche Ärztin im kurdischen Nordirak versucht sie, umgeben von Zerstörung, etwas Positives zu bewirken. Doch da es bekanntlich nichts Richtiges im Falschen gibt, fällt das schwer. Ärztliche Neutralität scheint hier als Haltung nicht auszureichen. Martina wird entführt und ein spannender Thriller um ihre Befreiung entfaltet wie ein Lehrstück die hochkomplexe Interessenlage der verschiedenen Konfliktbeteiligten. Da sind die Kurden, die dringend das Panzerabwehrsystem MILAN von der Bundesregierung benötigen. Da ist der radikalisierte Migrantensohn aus Bielefeld, der, vom IS enttäuscht, fürchtet, im Knast zu landen. Da ist der sunnitische Stamm, der den IS abschütteln will, aber unter dessen Flagge operiert. Diverse Geheimdienste, nicht zuletzt der türkische, wollen die regionale Machtwaage zugunsten ihrer Nation neigen.
Aufgerollt wird das Ganze in verschachtelten Rückblenden. Nach der Rettung wird Martina vom BND befragt, der undurchsichtig wie die Entführer um ihr Vertrauen wirbt. Durchzogen von Phantasiesequenzen und dokumentarischen Zwischenbildern changiert DAS MILAN PROTOKOLL zwischen dem Angebot zum Eintauchen in einen Spionagethriller und der ästhetischen Aufforderung zur distanzierten Betrachtung. Einzelne Momente des Films werden subtil theatralisch dargestellt und zeichnen so die Erzählungen als gegeben, aber nicht zwangsläufig aus. Regisseur Peter Ott knüpft dabei an zwei Parabeln an: Gottes Aufforderung an Abraham, seinen Sohn zu opfern, und Brechts „Maßnahme“. Beide fragen nach der Entscheidung zwischen Gehorsam und individueller Stimmigkeit im Handeln.

Anna Stemmler

Details

Originaltitel: Das Milan Protokoll
Deutschland 2017, 100 min
Genre: Thriller
Regie: Peter Ott
Drehbuch: Peter Ott
Kamera: Jürgen Jürges, Jörg Gruber
Schnitt: Timo Schierhorn
Musik: Ted Gaier
Verleih: Real Fiction
Darsteller: Catrin Striebeck, Christoph Bach, Henriette Nagel, Korkmaz Arslan, Samy Abdel Fattah
FSK: 12
Kinostart: 18.01.2018

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