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Das leere Grab

Koloniales Erbe

DAS LEERE GRAB begleitet den Kampf von tansanischen Communities, die Überreste ihrer Vorfahren aus Deutschland zurückzuerhalten.

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„Unsere Tradition sind 40 Tage Trauer. Und wie lange geht das schon? Über 100 Jahre!“ DAS LEERE GRAB begleitet den Kampf von tansanischen Communities, die Überreste ihrer Vorfahren aus Deutschland zurückzuerhalten. In den Tiefen vieler deutscher Museen und Forschungseinrichtungen befinden sich insgesamt zehntausende Gebeine von in den Kolonien ermordeten Menschen, bis heute.
Mangelnde Dokumentation, Schwierigkeiten der Zuordnung, aber auch fehlender politischer Wille sind die Gründe, warum inzwischen Enkel und Urenkel auf die Rückgabe der Knochen hoffen und für sie streiten – teilweise auch mit der eigenen Regierung: Während für die Angehörigen das angemessene Begräbnis ihrer Vorfahren und die Arbeit an kollektiven Traumata im Vordergrund steht, verfolgt die Politik größere Ziele, die offizielle Entschuldigungen und Reparationszahlungen einschließen. Dieser Konflikt zwischen Restitution als Selbstzweck im Falle der Angehörigen und als diplomatisches Instrument der Regierung wird leider nur angedeutet.
Spätestens seit dem Berliner Humboldtforum ist die deutsche Kolonialgeschichte zunehmend im öffentlichen Diskurs präsent. DAS LEERE GRAB leistet hier einen wichtigen Beitrag. Er arbeitet die Wechselwirkung zwischen kolonialer Gewalt und rassistischer Wissenschaft heraus: Die Schädel von in den Kolonien Ermordeten wurden nach Deutschland verschifft, wo sie der phrenologischen Forschung zugänglich gemacht wurden – die versuchte, durch eine „wissenschaftliche“ Bestätigung der Inferiorität von Afrikaner*innen die Grausamkeit des Kolonialismus zu legitimieren.
Auch folgt der Film den Spuren des Kolonialismus in der deutschen Gegenwart, nicht nur in den kolonialen Sammlungen vieler heutiger Museen, sondern auch im Stadtbild. Die „Mohrenstraße“ ist immer noch nicht umbenannt.

Yorick Berta

Details

Originaltitel: Das leere Grab – The Empty Grave
Deutschland/Tansania 2024, 97 min
Sprache: Deutsch, Swahili
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Agnes Lisa Wegner, Cece Mlay
Drehbuch: Agnes Lisa Wegner
Kamera: Marcus Winterbauer
Schnitt: Donni Schoenemond
Musik: Hannah von Hübbenet
Verleih: Edition Salzgeber
Kinostart: 23.05.2024

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Das leere Grab

(Das leere Grab – The Empty Grave) | Deutschland/Tansania 2024 | Dokumentarfilm | R: Agnes Lisa Wegner, Cece Mlay

DAS LEERE GRAB begleitet den Kampf von tansanischen Communities, die Überreste ihrer Vorfahren aus Deutschland zurückzuerhalten.

Vorführungen

Charlottenburg

Filmkunst66

17.06. – Mo

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18.06. – Di

TicketsKartenreservierung: https://www.filmkunst66.de/programm 14:15

Prenzlauer Berg

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