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Das freiwillige Jahr

Ohne große Worte

Vater Urs überredet Tochter Jette zu einem Freiwilligen Sozialen Jahr in Südamerika – die will aber gar nicht unbedingt weg aus der Provinz.

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Eine große Reise soll es werden: ein Jahr Costa Rica, im Freiwilligendienst eines Krankenhauses. Jettes Gepäck ist schon im Auto, als sie sich noch vom Pferd in ihrem Garten verabschiedet und ihr Vater Urs sie zur Eile ruft. Auf dem Weg zum Flughafen möchte er noch bei seinem Bruder halten, um Jettes Fotoapparat abzuholen. Als dieser die Tür nicht aufmacht, was öfters vorzukommen scheint, beginnt Urs sich Sorgen zu machen und verschafft sich gewaltvoll Zutritt zu der Wohnung. Während Urs im ersten Stock des Gebäudes immer hektischer wird – seine Tochter muss schließlich ihren Flug erwischen – wartet Jette unten auf ihn, verwirrt, aber weniger gestresst, als plötzlich ihr Freund Mario (Thomas Schubert) vorbeikommt, der sie spontan zum Flughafen fährt. Ulrich Köhlers und Henner Wincklers DAS FREIWILLIGE JAHR entspinnt sich an den kleinen Momenten, den Zufällen, den Blicken und schreibt durch diese, von Patrick Orths Kamera aufmerksam beobachtet, seine Geschichte.
Es wird dann nicht die Geschichte einer großen Reise. Wirklich begeistert schien Jette (Maj-Britt Klenke) von Anfang an nicht, ihr Vater (Sebastian Rudolph) dafür umso mehr. Am Flughafen machen sie und Mario kehrt, drehen um und fahren ins Grüne, übernachten im Auto, schalten die Handys aus, um von den besorgten Eltern nichts mitzubekommen. Jettes Gleichgültigkeit gegenüber ihrer Reise steht im Kontrast zu der Verschmitztheit, die sie zwischen Schlafsäcken im Auto auslebt.
Doch lange währt die Zeit ohne Verpflichtung nicht; nach einem Streit tauchen die Eltern auf. Was zu Beginn des Films nach liebevoller Zuwendung des Vaters aussah, ist bald als ungesunde Erwartung zu erkennen: Die Tochter soll die weite Welt sehen, die er in seinem Dorf nicht mitbekommt. Ein wie beiläufig daherkommendes Familiendrama, dessen Figuren ohne viele Worte tief blicken lassen. Und eine kleine Reise in Richtung Veränderung tritt Jette vielleicht doch noch an.

Lili Hering

Details

Deutschland 2019, 86 min
Genre: Drama
Regie: Ulrich Köhler, Henner Winckler
Drehbuch: Ulrich Köhler, Henner Winckler
Kamera: Patrick Orth
Schnitt: Laura Lauzemis
Verleih: Grandfilm
Darsteller: Maj-Britt Klenke, Sebastian Rudolph, Thomas Schubert
Kinostart: 06.02.2020

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