
Neue Notiz
Das fast normale Leben
In der Wohngruppe
Regisseur Stefan Sick hat vier Mädchen, die in einer Wohngruppe für Kinder und Jugendliche der Evangelischen Jugendhilfe leben, zwei Jahre lang begleitet.
Lena, Eleyna, Lisann und Leni sind Mitglieder einer Wohngruppe für Kinder und Jugendliche der Evangelischen Jugendhilfe Friedenshort und haben eines gemeinsam: Sie werden nicht müde, zu betonen, nach Hause zu ihren Bezugspersonen zu wollen, am besten morgen. Ob das ihr eigentlicher Wunsch ist, ob er der Realität standhält, und wann er sich erfüllen kann, ist das Dunkelfeld, in dem sich die Vier, ihre Erzieherinnen und mit ihnen DAS FAST NORMALE LEBEN vorantasten müssen.
Regisseur Stefan Sick hat die Mädchen zwei Jahre lang begleitet und dabei Szenen in verschiedenen Stimmungslagen eingefangen: Auf Umarmung, Kompromiss und Geduld folgen Schubsen, Schlagen und Beleidigen, gefolgt von der Bürokratie der Jugendhilfe. Ein Mädchen tritt auf Türen ein und gefährdet sich selbst, ein anderes beweist Hilfsbereitschaft und pädagogisches Talent. Dabei agiert Sicks stille Kamera stets am Rande der Unerbittlichkeit: Erst wenn die Tür vor der Kamera zugeht, schaut sie weg. Aber sie blickt selbst dann hin, wenn das Schreckgespenst „Weinsberg“ auftaucht, wo die Kinder in ärztliche Hände gegeben werden, wenn erzieherische Maßnahmen versagen.
Die eigentliche Arbeit und feinfühlige Magie von DAS FAST NORMALE LEBEN aber muss hinter der Kamera stattgefunden haben: Dem Filmteam ist das Kunststück gelungen, eine Vielzahl von Betroffenen von der Diakonie bis zu den Protagonistinnen derart einzubinden, dass diese Tuchfühlung möglich wurde. Seine Beobachterrolle gibt der Film dann auf, wenn er Szenen von momenthafter Glückseligkeit – Fahrradfahren, Schaukeln, Tanzen – in Slowmotion und mit Musik unterlegt einspielt, vielleicht als Kontrast zur Unerbittlichkeit der Kamera. Das sonstige Fingerspitzengefühl und der wertvolle Einblick in schwierige Kinderleben werden dann leider kurz abgelöst durch das Gefühl, Stock Footage gezeigt zu bekommen.
Deutschland 2025, 135 min
Sprache: Deutsch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Stefan Sick
Drehbuch: Stefan Sick
Kamera: Stefan Sick
Schnitt: Ina Tangermann
Verleih: mindjazz pictures
FSK: 12
Kinostart: 22.01.2026
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