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Das dunkle Gen

Auf der Suche nach dem Depressions-Gen

Der Neurologe Frank Schauder leidet an Depressionen. In DAS DUNKLE GEN macht er sich auf die Suche nach der Ursache seiner Misere. Die neurobiologische Forschung hat zu der Erkenntnis geführt, dass für die Krankheit letztlich biochemische Prozesse verantwortlich sind. Gibt es also ein dunkles Gen, das Depressionen auslöst?

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Am Anfang rieselt der Schnee und Frank Schauder berichtet von Selbstmordgedanken und dem klammen Gefühl, in der Badewanne zu ertrinken. Begonnen hatte die Depression des Neurologen mit der Trennung von seiner Frau und dem damals 1-jährigen Sohn Leonard. „Wie ein Tornado, der durch die Seelenlandschaft fegt“ stellte die Krankheit sein Leben auf den Kopf. Miriam Jakobs und Gerhard Schick zeigen den Protagonisten, der die Depression medikamentös bekämpfte, mit seinem Sohn und während einer Geburtstagsfeier mit Freunden, die geblieben sind. So emotional geht die Doku allerdings nicht weiter. Schauder sucht die erste Ursache seiner Misere, und zwar in seinen Genen. Die neurobiologische Forschung hat nämlich zu der Erkenntnis geführt, dass psychische Erkrankungen letztlich Hirnerkrankungen sind. Hinter einer Depression stehen biochemische Prozesse. Gibt es also ein dunkles Gen, das Depressionen auslöst?
Um das herauszufinden, sendet Schauder zum Beispiel eine Speichelprobe in ein Labor in den USA. Das Ergebnis der Genentschlüsselung offenbart ihm Dispositionen für rund 120 Krankheiten. Die Wahrscheinlichkeit, an einer Depression zu erkranken, liegt überraschend bei 0,1 Prozent und damit im normalen Bereich. Die Frage, inwieweit eine solche Preisgabe des Genpools vertretbar ist, klammert die Doku nicht aus. Letztlich überwiegt aber die Faszination für die Genetik. So ist DAS DUNKLE GEN mit Experteninterviews unterfüttert und erklärt die abstrakte Wissenschaft anschaulich mit DNA-Strängen aus Gummibärchen oder in Animationen. Eine Szene stellt das bunte Kabelwirrwarr und die Leuchtdioden der Genetik-Forschungszentren neben Mosaike in Kirchenfenstern: Gott ist in den Genen. Interessant sind auch künstlerische Positionen, die sich mit Genetik auseinandersetzen. Das „dunkle“ Gen findet Schauder übrigens nicht, aber seine Suche wirft interessante Fragen auf.

Christian Horn

Details

Deutschland/Schweiz 2015, 99 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Miriam Jakobs, Gerhard Schick
Drehbuch: Miriam Jakobs, Gerhard Schick
Kamera: Simon Guy Fässler, Philipp Künzli
Schnitt: Miriam Jakobs, Gerhard Schick
Musik: Daniel Almada, Deirdre Gribbin, Isenburg Quartett
Verleih: Real Fiction
FSK: 12
Kinostart: 11.06.2015

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