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Cinema Obscure Festival

Mehr Nischenkino für das Nischenpublikum

CINEMA OBSCURE zeigt klassische und moderne Genrefilme, was im Februar eine volle Dosis Indiehorror bedeutet. Auf dem Programm stehen der exzellente psychologische Satanisten-Film STARRY EYES, die Horrorkomödie HOUSEBOUND, die found footage compilation V/H/S: VIRAL und der Neo-Grindhouse-Schocker LET US PREY.

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Die zweite Staffel der Filmreihe CINEMA OBSCURE startet im Februar mit vier Filmen, weitere sollen im März folgen. Die Reihe will verborgene Schätze des Genrekinos heben, „Nischenkino für ein Nischenpublikum“. Tatsächlich erfahren unabhängig produzierte internationale Thriller, Horror-, Science Fiction-Filme, für die es im Gegensatz zu den meisten deutschen Filmen keine Verleihförderung gibt, oft keine Kinoauswertung, sondern landen direkt im DVD- und Bluray-Verkauf. Das neue CINEMA OBSCURE-Paket komm nun mit dem amerikanischen Satanisten-Horror STARRY EYES, dem Kompilationsfilm V/H/S:VIRAL, der neuseeländischen Horrorkomödie HOUSEBOUND, dem britisch/irischen Schocker LET US PREY in die Kinos. Die Klassiker SINGAPORE SLING und TOXIC AVENGER, sowie der etwas großspurig betitelte DIE PRÄSENZ – DER DEUTSCHE HORRORFILM sollen im März folgen.
STARRY EYES, der sich auf zahlreichen Bestenlisten für Indiehorror 2014 fand, ist ohne Zweifel der interessanteste Film der Staffel im Februar. Die Schauspielerin Sarah (Alex Essoe) lebt mit zahlreichen Hipstern/Künstlern in einem für Hollywood-Verhältnisse schäbigen Apartment-Komplex. Um die Miete zu bezahlen, arbeitet Sarah in einem schmierigen Event-Hähnchen-Restaurant, in dem sie Kunden Liedchen vorträllern und eine Leggins im Bierschaum-Look tragen muss. Ihre „Freunde“ lungern derweil am Pool herum, bitchen sich gegenseitig an, protzen mit Jobs in Werbespots und phantasieren von eigenen Filmprojekten – vor allem, um sich gegenseitig ins Bett zu bekommen. Sarahs große Chance scheint gekommen, als sie nach einem vergeigten Casting einen Wutanfall auf der Toilette bekommt, und von der Koproduzentin (die ein wenig an Lotte Lenya als Rosa Klebb im James Bond-Film FROM RUSSIA WITH LOVE erinnert) dabei beobachtet wird. Sarah wird in die Villa des Produzenten eingeladen, und es sieht so aus, als hätte sie den Fuß in der Tür. Aber der sardonische Kino-Magier verlangt mehr, als Sarah zunächst zu geben bereit ist. STARRY EYES macht verwegene Plot-Wendungen und watet am Ende knietief im Splatter-Genre, funktioniert aber vor allem aufgrund seiner präzisen Charakterzeichnung: Sarah ist wesentlich komplexer, als es im Mainstream-Retortenhorror üblich ist. Sie hat ein unerklärliches Problem mit ihrem Aussehen, wirkt linkisch und schüchtern und hat eine Tendenz zur Selbstverletzung. An der Dauerparty ihrer Freunde kann sie nicht teilhaben, weil sie ein Mangel antreibt, der durch nichts ausgefüllt werden kann als durch totale Perfektion. Mehr als ein Film darüber, dass Hollywood seinen Protagonisten die Seele stiehlt, ist STARRY EYES ein Film über Depression und die Kultur der Selbstinszenierung.
In der Horrorkomödie HOUSEBOUND wird Kylie, eine muffelige junge Gothic-Frau, mit einer elektronischen Fußfessel versehen zu Hausarrest im Haus ihrer Mutter verdonnert. Dort scheint es zu spuken, was die sehr biedere Mutter bisher mit einem Achselzucken hingenommen hatte. Kylie versucht, der Sache auf den Grund zu gehen. Die Figuren sind liebenswert, natürlich gibt es reichlich bizarre Wendungen und HOUSEBOUND ist auch ganz ordentlich inszeniert. Entspanntes Popcornkino mit einigen Glaubwürdigkeitsproblemen.
V/H/S: VIRAL ist das dritte Sequel der Indie-Horror-Reihe V/H/S, in deren Rahmenhandlung stets VHS-Videokassetten betrachtet werden, auf denen aus unerklärlichen Gründen verschiedene Arten digitaler found footage Horror-Filme zu sehen sind. Es werden reichlich Materialfehler simuliert und manchmal auch für Schockeffekte benutzt, im Grunde aber sind die V/H/S-Filme Kurzfilmsammlungen. In den einzelnen Episoden geht es um einen Zauberer mit einem magischen Cape, einen Wissenschaftler, der in ein Paralleluniversum gerät, ein untotes Gemetzel und eine Splatter-Verfolgungsjagd.
Der britisch-irische Neo-Grindhousefilm LET US PREY hat mit Polyanna McIntosh (THE WOMAN, LOVE ETERNAL, FILTH) einen echten Horrorstar aufzubieten. Wer den kruden, effektversessenen Grindhouse-Stil mag, kommt in der Geschichte über eine Polizeistation, die von dämonischen Kräften heimgesucht wird, auf seine Kosten. Wie V/H/S ist aber auch LET US PREY vor allem etwas für Freunde der jeweiligen Horror-Subgenres. Nischenkino für ein Nischenpublikum, wie gesagt.

Tom Dorow

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