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Charlatan

Wunderheiler-Biopic

Eigenwilliges Biopic über das Leben des tschechischen Kräuterheilers Jan Mikolášek, dessen ungewöhnliche Heilungsmethoden ihn wohlhabend machten, ihn aber in Konflikt mit dem Staat brachten.

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Agnieszka Hollands CHARLATAN erzählt relativ frei das Leben des tschechischen Kräuterheilers Jan Mikolášek, dessen ungewöhnliche Heilungsmethoden ihn wohlhabend machten, ihn aber auch in Konflikt mit dem Staat brachten. Der gelernte Gärtner (Josef Trojan als junger Vater, Ivan als älterer Mensch) lernte von der Dorfheilerin, wie man Menschen durch Beschauen ihres Urins diagnostizieren und mittels Kräutermischungen behandeln kann. In Rückblenden erzählt der Film Mikolášeks Weg vom Kräuterlehrling zwischen den Weltkriegen zum erfolgreichen Praxisinhaber, der sich 1957 in einem offensichtlichen Schauprozess gegen die Anklage, zwei Patienten vergiftet zu haben, verteidigen muss. Dabei erhält die Beziehung, die Mikolášek in Hollands Version seines Lebens mit seinem Assistenten Palko (Juraj Loj) hatte, besonders viel Aufmerksamkeit. Es ist die einzige emotionale Verwundbarkeit, die sich der Heiler erlaubt, während er sich ansonsten stoisch auf seine Arbeit konzentriert, sich mit Spenden bezahlen lässt und nicht unterscheidet, ob er gerade den örtlichen Schlachter oder den NSDAP-Funktionär Martin Bormann behandelt. Gerade in dieser Liebesbeziehung kommt aber auch eine Zerrissenheit zum Vorschein, und der gläubige Christ legt ungewöhnlich grausame und selbstsüchtige Züge an den Tag. Für ihren Film hat Holland sich eher an dem mythischen Ruf, den Mikolášek laut ihr in seinem Heimatland hat, als an historischen Fakten orientiert, aber es sind gerade diese Widersprüche, die den Film interessant machen. Wenn der angebliche Scharlatan seine Urinproben im Sonnenlicht beobachtet, dann sind die Visionen, die er darin hat, für den Moment so wahr wie seine Momente der Ruhe und Liebe mit Palko, in denen er vergisst, dass auch der bekannteste Heiler des Landes nicht alle Patient*innen retten kann.

Christian Klose

Details

Tschechische Republik/ Irland/ Polen/ Slowakische Republik 2020, 118 min
Sprache: Tschechisch
Genre: Biografie
Regie: Agnieszka Holland
Drehbuch: Marek Epstein
Kamera: Martin Strba
Schnitt: Pavel Hrdlicka
Musik: Antoni Lazarkiewicz
Verleih: Pro-Fun Media
Darsteller: Ivan Trojan, Josef Trojan, Juraj Loj, Jaroslava Pokorná
FSK: 16
Kinostart: 20.01.2022

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