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CEUX QUI FONT LES RÉVOLUTIONS...

Berlinale VIII - Generation 14plus: Einschläfernde Revoluzzer

Die Kanadier Mathieu Denis und Simon Lavoie porträtieren vier kanadische Studenten, die im Jahr 2012 während des „Ahorn-Frühlings“ am Bildungsstreik in Québec partizipieren. Als die Proteste kläglich verebben, gründen Giutizia, Tumulto, Ordine und Klas eine radikale Splittergruppe.

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Mit seinen 183 Minuten Laufzeit ist er zwar nicht der längste Beitrag der aktuellen Berlinale, dafür aber der mit dem längsten Titel: CEUX QUI FONT LES RÉVOLUTIONS À MOITIÉ N'ONT FAIT QUE SE CREUSER UN TOMBEAU, im Englischen: THOSE WHO MAKE REVOLUTION HALFWAY ONLY DIG THEIR OWN GRAVES. Als der Moderator im HdKdW den Zungenbrecher beim zweiten Anlauf richtig aussprach, erntete er Applaus. Szenenapplaus gab es noch mal, als der Titel nach minutenlanger Orchestermusik eingeblendet wurde. Kurz zuvor hatte ein Zuschauer grotesk gehustet, was für reges Gelächter sorgte. Ein gut gelauntes Publikum. Doch mit zunehmender Laufzeit lichteten sich die Reihen. Der Applaus war für lange Zeit passé, und am Ende gab es einen verhaltenen.

Kein Wunder, denn der programmatisch betitelte RÉVOLUTIONS... ist alles andere als einfach konsumierbar – und passt mit seinem experimentellen Ansatz nicht unbedingt in die Jugendfilmsektion Generation 14plus, sondern eher ins Forum. Die Kanadier Mathieu Denis und Simon Lavoie porträtieren vier kanadische Studenten, die im Jahr 2012 während des „Ahorn-Frühlings“ am Bildungsstreik in Québec partizipieren. Als die Proteste kläglich verebben, gründen Giutizia, Tumulto, Ordine und Klas eine radikale Splittergruppe. Erst zerstören sie Plakate oder pissen von außen gegen die Scheibe eines Edelrestaurants, über kurz oder lang steigern sie sich bis zu einem Anschlag mit Molotow-Cocktails. Als sie langsam begreifen, dass sich die Welt nicht so leicht ändern lässt, wendet sich ihr Hass zunehmend nach innen.

Inhaltlich ist RÉVOLUTIONS... ziemlich vollgestopft, wenn es mal um Kunst geht, dann um Familie, dann um Ideale oder Politik. Ästhetisch nutzen Denis und Lavoie ebenfalls eine breite Palette verschiedener Darstellungsmöglichkeiten, etwa regelmäßig eingewobenes Archivmaterial von Demonstrationen, Schrifteinblendungen mit Zitaten quer durch die Protestkultur oder theatralische Performances mit viel Nacktheit. Wiederholt sprechen die Protagonisten direkt in die Kamera, was das aufrührerische Potential des Filmmanifests unterstreicht. Aber der Funke springt nicht über. Zwar überzeugen eine Handvoll krasse, provokante Szenen, doch in der Gänze muss man viel zu viel Geduld aufbringen, um das teils prätentiöse Werk durchzuhalten.

Christian Horn

Details

Kanada 2016, 183 min
Regie: Mathieu Denis, Simon Lavoie

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