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Censored Voices

Berichte aus dem „Sechs-Tage-Krieg“

Nach dem „Sechs-Tage-Krieg“ 1967 zeichnete der Schriftsteller und Journalist Amos Oz, selbst Kriegsteilnehmer, Gespräche mit einigen der heimkehrenden Soldaten auf Tonbänder auf. Die Berichte, die der offiziellen Darstellung des ruhmreichen Sechs-Tage-Kriegs zuwider liefen, fielen damals der Zensur zum Opfer, jetzt macht Regisseurin Mor Loushy sie in einem Dokumentarfilm zugänglich.

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Der Krieg, den Israel im Juni 1967 gegen Ägypten, Syrien und Jordanien führte, dauerte nur sechs Tage. In dieser kurzen Zeit verdreifachte Israel sein Staatsgebiet und eroberte unter anderem das Westjordanland, die Jerusalemer Altstadt samt Klagemauer und den Gazastreifen. Entsprechend euphorisch bejubelte die Bevölkerung den militärischen Triumph: „Dem Sieger ein Lobeslied, lobet den Herrn, ganz Israel“ lautet der Text einer fröhlichen Ballade, die Mor Loushy zum Auftakt ihres Dokumentarfilms CENSORED VOICES einspielt. Am Rande des Siegestaumels zeichnete der Schriftsteller und Journalist Amos Oz, selbst Kriegsteilnehmer, Gespräche mit einigen der heimkehrenden Soldaten auf Tonbänder auf. Die Männer sollten ganz offen ihre Gefühle an der Front beschreiben. Neben Berichten über Zweifel und Todesangst („Ich wollte einfach nur in Ruhe gelassen werden“, beschreibt ein Soldat seine Schockstarre im Feuergefecht) fallen auch unverblümte Hinweise auf israelische Kriegsverbrechen. So berichten die Männer, dass fliehende Araber systematisch gejagt wurden, als bereits Waffenstillstand herrschte, und auch Zivilisten blieben nicht unversehrt: „Im Krieg wurden wir alle zu Mördern.“ Die Tonaufnahmen liefen der offiziellen Darstellung zuwider und fielen der Zensur zum Opfer. Fast ein halbes Jahrhundert später verschafft die Regisseurin Mor Loushy den jungen Soldaten von damals doch noch Gehör. Für ihren Dokumentarfilm verwebt sie die Audiobänder mit Archivmaterial und dramatisiert die Montage mit einem treibenden Score und eingefügten Sounds wie Herzklopfen. Mittendrin sitzen die heute um die 70-jährigen Soldaten und lauschen den Aufnahmen mit versteinerten Mienen. Dabei entstehen einige satirische Spitzen, wenn die Berichte die Propagandabilder von damals konterkarieren. Einmal schwärmt ein Radiosprecher vom Glück im befreiten Jerusalem, im nächsten Bild schafft ein Bagger den Kriegsschutt von den Straßen schafft.

Christian Horn

Details

Israel/Deutschland 2014, 84 min
Sprache: Deutsch
Regie: Mor Loushy
Drehbuch: Mor Loushy, Daniel Sivan
Kamera: Avner Shahaf
Schnitt: Daniel Sivan
Musik: Markus Aust
Verleih: RealFiction Filmverleih
Kinostart: 21.07.2016

Vorführungen

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