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Candyman

Text nicht vor dem Spiegel lesen

Nia DaCostas CANDYMAN ist zugleich Fortsetzung und Korrektur von Bernard Roses Horrorklassiker CANDYMAN von 1992, der in Bezug auf Sichtbarkeit von Schwarzen Menschen im Horrorfilm fortschrittlich war, aber aus einer Weißen Perspektive erzählte.

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Bernard Roses CANDYMAN von 1992 handelte von einer Weißen Studentin, die während ihrer Feldforschung die „Urban Legend“ über einen Geist mit Hakenhand hört, der diejenigen tötet, die seinen Namen fünfmal in einen Spiegel sagen. Dabei wird sie mit den Lebensrealitäten der zum Großteil Schwarzen Bewohner*innen des Chicagoer Viertels Cabrini Green konfrontiert. Obwohl der Film im Bezug auf Schwarze Sichtbarkeit fortschrittlich war, ist seine Sichtweise immer noch eine absolut Weiße. Nia DaCostas 2020er-Fortsetzung gleichen Namens korrigiert dies. Hier zieht ein Schwarzes Kunstschaffendenpaar in das inzwischen vollständig gentrifizierte Cabrini Green. Auf der Suche nach Inspiration hört Maler Anthony den Candyman-Mythos, wobei die Handlung des 1992er-Filmes nur eine unter vielen Geschichten über ihn geworden ist. Der Candyman symbolisiert inzwischen etwas viel Universelleres, das Anthony nicht loslässt. Der Film nutzt Anthonys Suche, um das Horrorgenre, aber auch soziale Entwicklungen in den USA zu analysieren und dekonstruieren. Da ein Horrorfilm aber nicht gänzlich ohne dumme Entscheidungen funktioniert, gibt es immer noch genug anderweitig popkulturell Abgeklärte, die der Mutprobe vor dem Spiegel nicht widerstehen können und es schnell bereuen. Hier brilliert der Film mit ein paar wunderbar einfallsreichen Sequenzen, die mehr auf surreales Grauen als auf plötzliche Schockmomente setzen, den Satz aus dem ersten Film „What is blood for, if not for shedding?“ aber voll beherzigen. Mit weiteren visuellen und musikalischen Anspielungen auf Bernard Roses Film ist der neue CANDYMAN gleichzeitig eine Fortsetzung und eine Art Spiegelbild des Vorgängers und beleuchtet Details, die vorher im Hintergrund versteckt waren. Sich beide Versionen anzuschauen ist daher empfehlenswert (Die Fortsetzungen aus den 1990ern kann man sich schenken.)

Christian Klose

Details

USA 2020, 120 min
Sprache: Englisch
Genre: Horror, Literaturverfilmung
Regie: Nia DaCosta
Drehbuch: Jordan Peele, Win Rosenfeld
Kamera: John Guleserian
Musik: Robert A.A. Lowe
Verleih: Universal Pictures
Darsteller: Yahya Abdul-Mateen II, Teyonah Parris, Nathan Stewart-Jarrett, Colman Domingo, Vanessa Williams, Tony Todd
FSK: 16
Kinostart: 26.08.2021

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