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Cahier Africain

Überleben im Bürgerkrieg

Zwischen 2008 und 2015 reist Heidi Specogna immer wieder in die Zentralafrikanische Republik und trifft eine Gruppe von Frauen, die Anfang des Jahrtausends Opfer eines Überfalls durch Söldner wurden. Sie dokumentiert ihren Kampf ums Überleben in einem nicht enden wollenden Bürgerkrieg.

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Im Jahr 2002 überfielen kongolesische Söldner ein Dorf in der Zentralafrikanischen Republik. Sie mordeten, raubten und vergewaltigten. Die überlebenden 300 Frauen, Kinder und Männer legten zum Beweis der Gräueltaten ein Schulheft an, in dem sie die Opfer mit Namen, Passbild und Alter festhielten, und in einer kurzen Beschreibung berichteten, was ihnen angetan worden war. Eine Viertelseite für jede und jeden. Dieses beeindruckende Dokument, das von Gewalt erzählt, aber auch von tapferer Selbstbehauptung, war der Auslöser für Heidi Specogna (PEPE MUJICA – DER PRÄSIDENT), ihren Dokumentarfilm über das Leben inmitten eines Bürgerkriegs zu drehen. Sie besucht das Dorf PK12 und lernt einige der Frauen und Männer kennen, die im Heft Zeugnis abgelegt haben. Die Muslima Anzima gehört dazu, deren Tochter Fane nichts davon weiß, dass ihr Vater zu den Vergewaltigern gehörte, und die Christin Arlette, die eine schwere Knieverletzung davontrug, die in Deutschland behandelt wurde. Doch schon bevor ihr Fall am Internationalen Gerichtshof von Den Haag zu Ende verhandelt ist, erlebt das Land bereits den nächsten Putsch, müssen die Ermittler des Gerichtshofs bereits neue Gewalttaten dokumentieren. Zwischen 2008 und 2015 trifft Specogna ihre Protagonistinnen immer wieder und teilt ihre Erlebnisse. Die politischen Verhältnisse wechseln in dieser Zeit ständig - erst sind es muslimische Rebellen, dann die christlichen Paramilitärs, die die Bevölkerung drangsalieren - und bleiben doch gleich: Die Schulen sind geschlossen, in den Straßen der Hauptstadt wird geschossen, viele fliehen in vollbepackten Lastwagen Richtung Tschad. Der Film, der ursprünglich ein Film über das Weiterleben nach einem traumatischen Ereignis hätte werden sollen, wird zu einer Beobachtung des nicht enden wollenden Überlebenskampfes der Frauen. Er ist ruhig, anteilnehmend und sehr berührend.

Hendrike Bake

Details

Originaltitel: Cahier africain
Deutschland/Schweiz 2016, 119 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Heidi Specogna
Drehbuch: Heidi Specogna
Kamera: Johann Feindt
Schnitt: Kaya Inan
Musik: Peter Scherer
Verleih: déjà-vu film
Kinostart: 10.11.2016

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