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Briefe aus der Wilcza

Begegnungen in Polen

Vor zehn Jahren ist Arjun Talwar aus Indien zum Filmstudium nach Polen gekommen, angekommen fühlt er sich noch immer nicht. Also macht er sich auf den Weg, das Mysterium Polen zu erkunden, und fängt mit der Straße an, in der er wohnt, der Ulica Wilcza (Wolfstraße).

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„Manchmal ist Polen wirklich so wie in den alten Filmen: Ein bisschen traurig, ein bisschen lustig.“ Nachdem Arjun Talwar aus Indien zum Filmstudium nach Polen zieht, schaut er sich alle polnischen Filme an, die er finden kann. Als Teil der polnischen Gesellschaft fühlt er sich auch nach 10 Jahren nicht – genau genommen ist er heute einsamer als je zuvor. Zwischen der reservierten, misstrauischen Art der Mehrheitsgesellschaft und einem immer stärker werdenden Rassismus ist er merklich müde geworden. Aufgegeben hat er aber nicht.
Also macht er sich auf den Weg, das Mysterium Polen zu erkunden, und fängt mit der Straße an, in der er wohnt, der Ulica Wilcza (Wolfstraße). Hier gibt es vor allem alte Läden, altes Handwerk und alte Leute, man spürt wenig vom Großstadtfeeling Warschaus. Seine Kamera ist für Talwar ein Mittel, sich Raum zu erschließen, der ihm sonst verborgen bliebe. Für seinen Film betrachtet er seine Straße tagein, tagaus, filmt die Elstern und die Menschen auf ihren Balkonen, beobachtet und philosophiert. Er spricht mit Nachbar*innen, mit denen er zuvor auf engstem Raum eine stille Parallelexistenz gepflegt hatte: der Metzgerin, der Kioskbesitzerin oder dem Postboten Piotr. Aber auch ein Gespräch mit seiner Therapeutin und Zufallsbegegnungen gehören dazu.
Mit BRIEFE AUF DER WILCZA schafft Talwar eine Meditation über das Leben in Polen, wie sie polnischer nicht sein könnte – understated, aber mit Tiefgang und einem guten Schuss Galgenhumor. „Hier ein Migrant sein fühlt sich an wie ein Abenteuer.“ Sein Freund Adi, mit dem er nach Polen gekommen war, wird das Land nie verlassen, er hat ein Jahr vor Beginn der Dreharbeiten Suizid begangen. Der Film ist damit auch das herzzerreißende Zeugnis von Talwars Versuch, mit der Trauer zu leben und sich nicht ganz so allein gelassen zu fühlen.

Eva Szulkowski

Details

Originaltitel: Letters From Wolf Street
Deutschland 2025, 97 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Arjun Talwar
Drehbuch: Arjun Talwar, Bigna Tomschin
Schnitt: Bigna Tomschin
Musik: Aleksander Makowski
Verleih: barnsteiner-film
FSK: 12
Kinostart: 16.10.2025

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