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Bettina

Offen und unbeirrt

Offen und unbeirrt von sämtlichen privaten Kämpfen und Schicksalsschlägen erzählt die in Ost-Berlin geborene Sängerin in Lutz Pehnerts schlicht-schönem Dokumentarfilm aus ihrem aufgewühlten Leben.

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Ihr Fuß wippt noch im Takt, als sie in der Pause zwischen den Proben auf der Bank sitzt und tief an einer Zigarette zieht. Bettina Wegner raucht viel und gerne. Man hört es in Ihrer Stimme. Sie klingt rauer als früher, ein bisschen tiefer, aber immer noch klar. Im Herzen ist Wegner, die heute vierundsiebzig ist, dieselbe geblieben - widerständig und frei, so wie ihre Musik. Offen und unbeirrt von sämtlichen privaten Kämpfen und Schicksalsschlägen erzählt die gebürtige Berlinerin in Lutz Pehnerts schlicht-schönem Dokumentarfilm aus ihrem aufgewühlten Leben: Wie sie als Kind noch Stalin verehrte, sich zuerst in den Lyriker Thomas Brasch verliebte und später gemeinsam mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Klaus Schlesinger, Veranstaltungsreihen wie „Eintopp“ und „Kramladen“ organisierte, wo sie neben Gastauftritten von gleichgesinnten Künstler*innen auch ihre eigenen Lieder sang.

Doch dem Staat wurden sie mit ihren klugen, immer politischer werdenden Texte zunehmend unbequem. Sie sollte ausreisen, wollte aber nicht. Dabei war Wegners Verhältnis zur DDR gespalten, seit sie mit Anfang zwanzig vor Gericht verurteilt wurde, weil sie mit Flugblättern gegen die gewaltsame Niederschlagung des Prager Frühlings im Jahr 1968 protestiert hatte. Mit den Jahren wurden ihre Auftritte seltener, irgendwann ging gar nichts mehr. Aber Ostdeutschland war und blieb, trotz wachsender Schallplattenerfolge im Westen, stets ihre Heimat. Und so kämpfte sie gegen eine Ausbürgerung, bis ihr 1983 keine andere Wahl blieb: "Frau Wegner, wir können nicht mit Ihnen, und Sie nicht mit uns," hieß es zum Schluss. Sie fügte sich widerwillig, um einer weiteren Haftstrafe zu entgehen.

Mit ihrer frechen, burschikosen Art und einem heftigen Berliner Akzent zog Wegner ihr Publikum schon auf der Bühne schnell in den Bann. Im Film, der im Februar auf der Berlinale Premiere feierte und dort mit dem FIPRESCI-Kritikerpreis in der Sektion Panorama ausgezeichnet wurde, funktioniert es ganz ähnlich. Neben Gesprächen mit Wegner selbst, fügt Pehnerts Archiv-Tonaufnahmen vom Prozess, Fotos, Videos und immer wieder ihre eigenen Stücke zu einer außergewöhnlichen Biografie zwischen Ost und West und dem eindringlichen Porträt einer Liedermacherin zusammen, die eigentlich nur von der Liebe singen wollte und im Widerstand ihre wahre Stimme fand.

Pamela Jahn

Details

Deutschland 2022, 107 min
Genre: Dokumentarfilm, Biografie
Regie: Lutz Pehnert
Drehbuch: Lutz Pehnert
Kamera: Anne Misselwitz
Schnitt: Thomas Kleinwächter
Verleih: Edition Salzgeber
Kinostart: 19.05.2022

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Deutschland 2022 | Dokumentarfilm, Biografie | R: Lutz Pehnert

Offen und unbeirrt von sämtlichen privaten Kämpfen und Schicksalsschlägen erzählt die in Ost-Berlin geborene Sängerin in Lutz Pehnerts schlicht-schönem Dokumentarfilm aus ihrem aufgewühlten Leben.

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