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Bella e Perduta – Eine Reise durch Italien

Ein Büffel weint

Ein Schafhirte zieht ein Büffelkalb auf. Als er stirbt wird der Büffel zur Hauptfigur von Pietro Marcellos „Reisefilm“, der dokumentarisches Material, mythische Erzählungen und assoziative Bildideen zu einem traum- und märchenhaften Porträt Italiens verwebt.

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In San Tammaro, nördlich von Neapel, verteidigt ein einzelner Schafhirte ein Bourbonenschloss, dessen Pracht durch Plünderung, Vernachlässigung und Missbrauch als Camorra-Versteck dem Verfall anheimgegeben ist. Er kann die Schönheit nicht sterben sehen. Eines Tages findet er ein verwaistes Büffelkalb, rettet es vor dem Schlachter und zieht es mit der Flasche auf. Bis hierher ist BELLA E PERDUTA ein Dokumentarfilm über einen einfachen Mann, Tommaso Cestrone, der einen Palast und ein Tier bewacht, in einer Landschaft, die von jahrzehntelanger illegaler Müllentsorgung vergiftet ist. Dieses Porträt eines Hüters der Schönheit wird jäh unterbrochen, als der Protagonist überraschend stirbt.
Regisseur Pietro Marcello, einer der interessantesten jungen Filmemacher Italiens, dessen dunkel schwebendes, hybrides Genua-Porträt LA BOCCA DEL LUPO 2009 auch hierzulande mal kurz im Kino lief, hat Erfahrung mit dem Verweben von dokumentarischem Material, mythischen Erzählungen und assoziativen Bildideen. Mit pikaresken Elementen wird also die Geschichte vom Büffel weitererzählt: Pulcinella, eine Figur aus der Commedia dell’Arte, nimmt sich des Tiers an und zieht mit ihm durch ein Italien, dessen Schönheit durch Umweltzerstörung und Tiermissbrauch immer wieder als fragil gezeichnet wird. Der Büffel bekommt einen Namen, eine Erzählstimme und eine eigene Perspektive, aus der heraus Aufnahmen gedreht sind. Im letzten Bild weint er, wie Tommaso.
Pietro Marcello besteht darauf, BELLA E PERDUTA einen „Reisefilm“ zu nennen, der Dokument, Traum und Märchen zugleich ist, weil alles „stimmen müsse“, also einen Realitätsbezug brauche. Der sprechende Büffel geht später ins Meer und dann eben doch ins Schlachthaus, wo seine Geschichte endet. Und bevor die süßen, kalten Stimmen der menschlichen Vernunft wieder zu hören sind, endet dieser traum- und märchenhafte Dokumentarfilm, in dem tatsächlich alles stimmt.

Jan Künemund

Details

Originaltitel: Bella e perduta
Italien/Frankreich 2015, 87 min
Genre: Drama, Roadmovie, Satire
Regie: Pietro Marcello
Drehbuch: Maurizio Braucci, Pietro Marcello
Kamera: Pietro Marcello, Salvatore Landi
Schnitt: Sara Fgaier
Verleih: Grandfilm
Darsteller: Elio Germano, Tommaso Cestrone, Sergio Vitolo
Kinostart: 14.07.2016

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