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Belfast

Nordirland 1969, Kinderperspektive

Der neunjährige Buddy wächst in den sechziger Jahren in Belfast auf, in einer protestantischen Familie, die, während um sie herum die „Troubles“ eskalieren, über die Übersiedlung nach England nachdenkt.

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Bei Kenneth Branagh muss man immer ein bisschen auf der Hut sein. Wenn es darum geht, Shakespeare auf der Bühne zu inszenieren, kann ihm so schnell keiner etwas vormachen. Aber im Kino tut er sich manchmal schwerer. Was kann man also erwarten, wenn der Schauspieler und Filmemacher plötzlich in der eigenen Vergangenheit nach Inspiration für einen neuen Filmstoff sucht? BELFAST ist das Ergebnis eines solchen Reflexionsprozesses, denn in der nordirischen Hauptstadt wurde Branagh am 10. Dezember 1960 als Sohn einer protestantischen Familie geboren. Seine frühe Kindheit verbrachte er auf den Straßen von Tiger's Bay, einem der Krisenherde im Nordirlandkonflikt seit den sechziger Jahren. Dort fliegen im August 1969 die Molotov-Cocktails und setzen ganze Straßenzüge in Brand. Und auch der neunjährige Buddy (Jude Hill) bekommt die Gewalt zu spüren, die plötzlich um ihn schlägt. Er sieht die alarmierenden Nachrichten im Fernsehen, bewaffnete Männer auf Barrikaden, belauscht seine Eltern (Caitríona Balfe, Jamie Dornan) und Großeltern (Judi Dench, Ciarán Hinds) bei erhitzten Gesprächen, und kann doch nicht verstehen, warum seine Familie auf einmal aus der geliebten Heimat wegziehen soll. Immerhin geht sein Alltag zwischen Modellautos, Kinofilmen (von HIGH NOON bis CHITTY CHITTY BANG BANG) und erster Liebe für ihn weiter wie zuvor.

Branagh beschreibt die Zeit, bevor er mit seinen Eltern ins englische Berkshire übersiedelte, in gestochenem Schwarz-Weiß und einem Hauch von Technicolor, der die frühe Leidenschaft des Regisseurs für Hollywood reflektiert. Es ist vor allem eine Welt voller Fantasie und Abenteuer, die hier das harte Arbeitermilieu inmitten der brodelnden Auseinandersetzungen charakterisiert. Aber muss eine derart romantische Sicht auf die brutale Vergangenheit unbedingt schlecht sein? Für Branagh, der mit Kinderaugen zurückschaut, kann es nur diese Perspektive geben. Sie passt zu ihm, zu seinem Kino, seinem sympathischen Gemüt. Und zumindest aus diesem Blickwinkel betrachtet, ist BELFAST ein stimmiger Film, der mit viel Verve und Leidenschaft ein Lebensgefühl beschreibt, anstatt in irgendeiner Weise allzu kritisch auftreten zu wollen.

Pamela Jahn

Details

Großbritannien 2021, 98 min
Genre: Drama
Regie: Kenneth Branagh
Drehbuch: Kenneth Branagh
Kamera: Haris Zambarloukos
Musik: Van Morrison
Verleih: Universal Pictures
Darsteller: Judi Dench, Caitriona Balfe, Jamie Dornan, Ciaran Hinds, Jude Hill
Kinostart: 24.02.2022

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