
Neue Notiz
Azza – dem Patriarchat davonfahren
Fahrlehrerin in Saudi-Arabien
Azza arbeitet als private Fahrlehrerin für Frauen in Saudi-Arabien.
Azzas Gesicht leuchtet. Gerade hat sie es mit ihrem SUV geschafft, eine schwierige Steigung im Sand zu überwinden und ihr Auto an den Strand zu manövrieren. Unter den Blicken der Männer, die mit selbigem Vorhaben gescheitert sind, kocht sie sich zufrieden ihren Tee. Seit 2018 dürfen Frauen in Saudi-Arabien offiziell Auto fahren, seit 2017 können sie unter eigenem Namen eine Wohnung mieten. Azza hat die neuen Gesetze genutzt, um sich aus ihrer gewalttätigen Ehe zu befreien. Ihre Kinder musste sie nach saudischem Recht bei ihrem Exmann zurücklassen, aber sie nutzt jede Gelegenheit, sie zu sehen. Sie will, dass ihre Töchter den Schulabschluss bekommen, der ihr verwehrt blieb, als ihre Eltern sie mit 16 Jahren in die Ehe zwangen.
Azza hat eigentlich alles, was es braucht, um eine gute Anstellung zu finden: Sie ist eine exzellente Fahrerin, geduldig und motivierend und spricht sogar Englisch. Aber ohne Abschluss muss sie sich als private Fahrlehrerin durchschlagen. Regisseurin Stefanie Brockhaus bietet Azza einen Raum, um von sich zu erzählen, auch mal wütend zu sein. Das Filmteam begleitet sie bei ihren Fahrstunden, beim Verhandeln mit ihrem neuen Ehemann, auch zum Besuch bei ihrer Familie. Azzas Vater ist stolz auf seine 16 Kinder, die Jüngsten könnten Azzas Kinder sein. Man merkt Azza eine gewisse Anspannung an, trotzdem nutzt sie die Kamera nicht, um den Vater zu konfrontieren und ihre Enttäuschung darüber loszuwerden, dass ihre Familie sie nie beschützt hat. Immerhin erlaubt der jetzige Ehemann ihr, mit dem Filmteam in die Wüste zu fahren. Der unverstellte Blick in die Weite ist Sinnbild für Azzas Wünsche – bei sich selbst ankommen zu dürfen, Unabhängigkeit, Freiheit. Trotzdem scharrt sie mühsam einen Achat aus dem Sandstein, als Geschenk für ihren Vater.
Originaltitel: Azza (2025)
Deutschland/Saudi-Arabien 2025, 87 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Stefanie Brockhaus
Drehbuch: Stefanie Brockhaus
Kamera: Anne Misselwitz
Schnitt: Ulrike Tortora
Musik: Amélie Legrand
Verleih: mindjazz pictures
FSK: 6
Kinostart: 11.06.2026
Website
IMDB
Vorführungen
ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR.
Die Inhalte dieser Webseite dürfen nicht gehandelt oder weitergegeben werden. Jede Vervielfältigung, Veröffentlichung oder andere Nutzung dieser Inhalte ist verboten, soweit die INDIEKINO BERLIN UG (haftungsbeschränkt) nicht ausdrücklich schriftlich ihr Einverständnis erklärt hat.