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Ayka

Schonungslose Konfrontation

Ayka ist jung, arm und schwanger. Sie beschließt das Kind zu behalten und kämpft sich durch

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Das erste Bild von AYKA ist eine ruckelige Nahaufnahme von vier neugeborenen Babies. Ungewöhnlich stoisch sehen sie aus, mit ihren aschgrauen Gesichtern und stummen Mienen. Die Neugeborenen verweisen nicht auf eine junge Hoffnung, sondern auf die prekäre Zukunft, in einem Land, in dem das Schicksal der Einzelnen von Sozialdarwinismus und Autoritarismus bestimmt wird. Dieses Land ist Russland, und auf seine prekäre Zukunft verweist Sergej Dvortsevojs Film durch die Gegenwart seiner sozial Schwächsten – der illegalen Einwander*innen aus Zentralasien.
Ayka (stark gespielt von Samal Yeslyamova), die Mutter eines der Neugeborenen, ist eine junge Immigrantin aus Kirgisistan, die aus der Klinik flieht, um Arbeit zu finden. Krank, verletzt und auf der Suche nach Geld hetzt sie durch das verschneite Moskau. Ein unbedingter Überlebenswille lässt sie Erniedrigung und Ausbeutung ertragen und treibt sie durch eine Stadt, die in den biblisch anmutenden Wetterverhältnissen zu versinken droht.
Dvortsevoj inszeniert den Kampf der Einzelnen gegen die Macht (die auf russisch sprichwörtliche "Vlast") als eine beklemmende Hetzjagd, die dem Zuschauer durch den Einsatz von Handkameras und den Verzicht auf jegliche Musikuntermalung jede ästhetische Zuflucht nimmt.
Die Geräuschkulisse von AYKA ist geprägt durch den teilnahmslosen Verkehr, die lähmenden Sirenen brutaler Polizeikontrollen und Aykas ständig klingelndes Handy - kirgisische Gläubiger. Die Kamera unterstützt diese zermürbende Stimmung, folgt Ayka durch die Straßen Moskaus, in engste Behausungen und auf schonungslose Konfrontationen mit der Welt der Reichen und Schönen.
So entsteht ein bedrückender, doch beeindruckender Film, der gerade durch die stilistische und thematische Begrenzung den Blick auf das große Ganze öffnet.

Yorick Berta

Details

Russland/Deutschland/Polen 2018, 100 min
Genre: Drama
Regie: Sergey Dvortsevoy
Drehbuch: Sergey Dvortsevoy, Gennady Ostrowski
Kamera: Jolanta Dylewska
Verleih: Neue Visionen
Darsteller: Samal Yeslyamova, Zhipara Abdilaeva, Sergey Mazur
Kinostart: 18.04.2019

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