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Aus dem Abseits

Bericht aus ferner Vergangenheit

Der Sozialpsychologe Peter Brückner war der erste Hochschullehrer, der 1972 Berufsverbot nach dem „Radikalenerlass“ erhielt, der den „Marsch durch die Institutionen“ der BRD-Linken stoppen sollte. Sein Sohn Simon Brückner dokumentiert das Leben seines Vaters.

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Filme machen über das was man kennt. Dieses in Filmhochschulen weit verbreitete Credo nimmt Simon Brückner bei seiner Dokumentation AUS DEM ABSEITS genau und dreht einen Film über seinen Vater Peter. Der war Sozialpsychologe und Hochschullehrer und stieg in den 70er Jahren zu einer Ikone der Linken auf. Nicht in erster Linie wegen seiner Sympathien für die Baader-Meinhof-Gruppe – das war anfangs schließlich weitestgehende Grundhaltung für jeden, der links sein wollte – sondern weil er 1972 als erster deutscher Hochschullehrer Berufsverbot erhielt. Fünf Jahre später war er auch an der so genannten Mescalero-Affäre beteiligt, ein offener, anonym verfasster Brief, in dem reichlich hämisch die Ermordung Siegfried Bubacks kommentiert wurde. Ein Jahr später, 1978, wurde sein Sohn Simon geboren. 1982 starb Peter Brückner und nun dreht der Sohn also einen Film über den Vater, der jedoch trotz der persönlichen Verbindungen zwischen Autor und Subjekt meist wie ein ganz normaler Dokumentarfilm wirkt: Anhand von Fotos, Archivaufnahmen und Interviews mit Weggefährten und Angehörigen wird das Leben Brückners nachgezeichnet. Das wirkt mit all den Diskussionen und Demonstration, der APO und den Kommunen wie ein Bericht aus ferner Vergangenheit, wie sie in den letzten Jahren immer wieder entstanden sind. Die Chance, durch seine persönliche Nähe zum Thema einen besonderen Zugang zu dieser Zeit zu finden, gerade auch zu den im Abstand von 40 Jahren oft merkwürdig anmutenden Familienstrukturen, die im Zuge eines antibürgerlichen Lebens propagiert wurden, verpasst Simon Brückner. Neutral und distanziert zeichnet er das Leben seines Vaters nach, den er vielleicht nicht zufällig immer nur als Peter, aber nie als Vater bezeichnet. Aber vielleicht verrät auch gerade das manches über das Verhältnis der Nachgeborenen zur Generation der 68er.

Michael Meyns

Details

Deutschland 2015, 112 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Simon Brückner
Drehbuch: Simon Brückner, Sebastian Winkels
Kamera: Isabelle Casez
Schnitt: Sebastian Winkels
Verleih: missingFILMs
FSK: oA
Kinostart: 03.12.2015

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