Entfernung über GPS
ab PLZ

Anni Felici – Barfuß durchs Leben

Der Zauber der 70er

ANNI FELICI ist ein liebevoller, wehmütiger, humorvoller und zugleich die Epoche berührend ernst nehmender Blick zurück in die 70er Jahre. Dario, das Alter Ego des Regisseurs Daniele Luchetti, ist da gerade mal 10 Jahre alt. Gemeinsam mit seinem kleinen Bruder Paolo beobachtet er, wie seine Eltern, der Künstler Guido und die sich langsam emanzipierende Hausfrau Serena von ihren Leidenschaften und ihren Wünschen nach Freiheit durchgeschüttelt werden.

Mehr

ANNI FELICI - zu Deutsch "Glückliche Jahre" - ist ein liebevoller, wehmütiger, humorvoller und zugleich die Epoche berührend ernst nehmender Blick zurück in die 70er Jahre. Dario, das Alter Ego des Regisseurs Daniele Luchetti, ist da gerade mal 10 Jahre alt. Gemeinsam mit seinem kleinen Bruder Paolo beobachtet er, wie seine Eltern von ihren Leidenschaften und ihren Wünschen nach Freiheit und Aufbruch durchgeschüttelt werden, in einer Zeit, in der erstmals - und vielleicht sogar letztmals - eine Ahnung davon herrschte, dass diese lebbar sein könnten. Darios Vater Guido - die Kinder nennen ihre Eltern nach guter 70er-Jahre-Tradition beim Vornamen - ist Bildhauer. Er gipst nackte Frauen ein und macht aus den Abdrücken gar nicht mal so erfolglos Lampen, wäre aber viel lieber Avantgarde. Seine Familie hält er lieber im Hintergrund - sie stört das Künstlerimage und auch die Affären mit den eingegipsten Frauen. Als er von seiner Galeristin Helke, gespielt von Martina Gedeck, nach Mailand zu einer Performance eingeladen wird, reist ihm Serena mit den Kindern heimlich hinterher. Die von Yves-Kleins Macho-Malexperimenten mit nackten Frauenkörpern inspirierte, ziemlich platte Provokation, die Guido dort inszeniert, gerät für ihn zum beruflichen und auch persönlichen Desaster. Für Serena dagegen wird sie zum Befreiungsschlag. Sie hat nun endlich genug – davon, immer mit ihrer Hingabe abgewiesen zu werden, von den anderen Frauen in Guidos Leben, vom selbstverliebten Künstlertraum - und fährt mit Helke und den Kindern in ein Frauencamp nach Südfrankreich.

Die Kinder sind in ANNI FELICI immer dabei. Während die Erwachsenen vor allem mit sich selbst beschäftigt sind, bekommen die beiden Jungs alles mit. Sie kennen die Modelle des Vaters mit Namen und sie sehen auch die Zärtlichkeit, die zwischen Helke und Serena im Urlaub entsteht. Als Dario – endlich, von den wohlhabenden Verwandten – die sehnlichst gewünschte Kamera erhält, beginnt er, das Gesehene auch zu dokumentieren und damit seinen Eltern zurück zu spiegeln. Aus dem Zuschauer wird ein Mitspieler, Dario beginnt, Räume zu erobern, die Dynamik der Familie ändert sich. Nicht nur in seinen Super-8-Aufnahmen übernimmt der Film Darios grundsätzlich wohlwollenden Blick, der Zurückweisungen zwar registriert, aber die schwierigen, wilden, sich streitenden und sich liebenden Eltern doch viel lieber lieben möchte, und der das Leuchtende und Verspielte an der neuen Kunst liebt. Immer wieder bleibt die Kamera an den bunten Pop-Art-Möbel-Objekten in Helkes Galerie hängen. Für Guido, den Möchtegern-Radikalen ohne Mission, stellen sie den Ausverkauf der Kunst an den Kommerz da. Für Dario und seinen Bruder und, vermutlich auch für den Regisseur, sind sie Ausdruck einer neuen Leichtigkeit. In einer Szene zeigt Guido seinen Söhnen Kunstpostkarten: Figürliches vs. Abstraktes, Landschaften vs. Farbflächen, Klassische Malerei vs. Moderne Kunst. Die Kinder entscheiden sich immer für das Konkrete, Bunte, Begreifbare. Im Hintergrund steht Serena in der Küche und kocht für die Familie.

An der Oberfläche erzählt ANNI FELICI von einem nicht ganz einfachen Erwachsenwerden, von komplizierten Eltern, einer widersprüchlichen Zeit und vom Zerbrechen eines konservativen Familienmodells. Gleichzeitig spürt Daniele Luchetti der Wärme und Leichtigkeit nach, die die turbulenten Jahre mindestens im Nachhinein zu glücklichen Jahren machten. Er tut das auch in seiner Materialwahl: ANNI FELICI ist auf 35mm, 16mm und 8mm Filmmaterial gedreht und beschwört damit auch ästhetisch den Zauber des Unscharfen und Unvorhersehbaren.

Hendrike Bake

Details

Originaltitel: Anni Felici
Italien 2013, 106 min
Genre: Drama
Regie: Daniele Luchetti
Drehbuch: Daniele Luchetti
Kamera: Claudio Collepiccolo
Schnitt: Mirco Garrone, Francesco Garrone
Musik: Franco Piersanti
Verleih: Camino Filmverleih
Darsteller: Martina Gedeck, Micaela Ramazzotti, Kim Rossi Stuart, Samuel Garofalo, Niccolò Calvagna
FSK: 6
Kinostart: 27.08.2015

Website
IMDB

Vorführungen

Vorführungen

ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR.
Die Inhalte dieser Webseite dürfen nicht gehandelt oder weitergegeben werden. Jede Vervielfältigung, Veröffentlichung oder andere Nutzung dieser Inhalte ist verboten, soweit die INDIEKINO BERLIN UG (haftungsbeschränkt) nicht ausdrücklich schriftlich ihr Einverständnis erklärt hat.