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Angelo (2018)

Opfer der Aufklärung

Über Angelo Soliman, einen der wenigen Afro-Europäer im 18. Jahrhundert, ist wenig bekannt. Markus Schleinzers ANGELO versucht, seine tragische Geschichte zu erzählen, ohne Historizität zu simulieren.

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Die historischen Quellen über Angelo Soliman, einen der wenigen Afro-Europäer im 18. Jahrhundert, sind spärlich, ihre Interpretationen widersprüchlich, obwohl es bereits elf Jahre nach Solimans Tod eine erste Biografie von der Wiener Schriftstellerin Caroline Pichler gab. Markus Schleinzers ANGELO versucht, Angelo Solimans Geschichte zu erzählen, ohne Historizität zu simulieren. Alle Daten, Namen und Orte sind aus dem Film getilgt. Die Herrscher heißen „der Fürst“, „die Marquesa“ oder „der Kaiser“. Angelos Nachname, der möglicherweise von einer italienischen Adelsfamilie namens „Sollina“ (o.ä.) stammt, und in Wien zu „Soliman“ verballhornt wurde, fehlt ebenfalls. Schleinzer zeichnet Angelo vor allem als Beherrschten im Spannungsfeld zwischen Aufklärung und Rassismus. Angelo wird verschleppt, in einer Fabrikhalle – unter Neonlicht – an eine Adlige verkauft, die ihn als Projekt versteht: An Angelo soll die „Menschwerdung“ erneut vollzogen werden. Der erste Angelo stirbt an einer Lungenentzündung, der zweite überlebt, wird im Sinne der frühen Aufklärung erzogen und durch europäische Adelshäuser gereicht. Auch seine Entlassung durch den Kaiser, wegen Angelos unerlaubter, heimlicher Heirat wird hier als Strafe geschildert, andere Quellen vermuten, dass Angelo bewusst gegen das kaiserliche Verbot der Heirat zwischen Dienstboten verstoßen habe, weil er kurz zuvor im Glücksspiel ein Vermögen gewonnen hatte. ANGELO ist immer wieder auch ein herausragend schöner Film, mit einer großartigen Kameraführung, der es gelingt, die Kerzenbeleuchtung in den Häusern, Kirchen und Palästen so überzeugend zu filmen wie zuletzt Kubrick in BARRY LYNDON. Sensible Kinobesucher sollten sich allerdings wappnen: Angelos Schicksal nach dem Tod ist zwar so belegt, wird aber in seiner ganzen rassistischen Abscheulichkeit gezeigt.

Hannes Stein

Details

Originaltitel: Angelo
Österreich 2019, 110 min
Sprache: Deutsch, Französisch
Genre: Drama
Regie: Markus Schleinzer
Drehbuch: Alexander Brom, Markus Schleinzer
Kamera: Gerald Kerkletz
Schnitt: Pia Dumont
Verleih: Grandfilm
Darsteller: Makita Samba, Alba Rohrwacher, Larisa Faber, Kenny Nzogang, Lukas Miko
Kinostart: 28.11.2019

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