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An Impossible Project

Zauber des Analogen

Selbst auf 35-mm-Filmmaterial mit einer Arriflex 35 SL gedreht, schafft die Doku über die Retter der letzten Polaroidfabrik ein analoges Traumporträt zwischen Startup-Euphorie und Nerdbewunderung.

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Das Unmögliche versuchen ist sowieso die Devise von Florian „Doc“ Kaps, der ursprünglich als Biologe mal die Retinabewegungen von Spinnenaugen erforscht hat. Als 2008 die letzte Polaroidfabrik geschlossen wird, weil der Fotomarkt weitestgehend digital ausgerichtet ist, rettet Kaps mit Gleichgesinnten die Maschinen vor der Verschrottung. Unter dem Label IMPOSSIBLE bemühen sich die Liebhaber der analogen Sofortfotografie fortan jahrelang darum, die Produktion und Distribution des chemisch komplexen Instantfilms wieder anzukurbeln. Was zunächst absolut anachronistisch scheint, trifft überraschenderweise weltweit auf eine zunehmende Welle der Begeisterung für Nichtdigitales. Vergangenheit als Zukunft: Selbst auf 35-mm-Filmmaterial mit einer Arriflex 35 SL gedreht, schafft die Doku AN IMPOSSIBLE PROJECT ein analoges Traumporträt zwischen Startup-Euphorie und Nerdbewunderung. Mit feinem Humor folgt Regisseur Jens Meurer sieben Jahre lang dem Visionär Kaps. Der selbsternannte Schutzpatron aller analogen Dinge, meist in einer weißen Retro-Polaroid-Trainingsjacke und mit einem Fotoapparat ausstaffiert, begegnet auf unterhaltsame Weise anderen Held*innen im Kampf wider die Vorherrschaft des Digitalen, besucht aber auch das Silicon Valley. Dabei enthüllt sich der Zauber des Analogen. Für uns körpergebundene Wesen ist seine Materialität, ist das vollumfängliche Ansprechen aller Sinne eine lebenswichtige Möglichkeit, Wissen, Erfahrung und Emotion gemeinsam zu stimulieren. Jedoch birgt die verliebte Rückbesinnung auf frühere Technik auch die Gefahr undemokratischer Exklusivität. Wo Hipster und Millionäre sich einzigartige Erfahrungen als Luxusgut gönnen, sind Normalos auf digitale Teilhabe verwiesen. Statt vom Sturm auf die digitalen Maschinen, träumt Kaps weise von der Möglichkeit, zwischen analog und digital zu wählen.

Anna Stemmler

Details

Deutschland/Österreich 2020, 93 min
Sprache: Englisch, Deutsch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Jens Meurer
Drehbuch: Jens Meurer
Kamera: Bernd Fischer, Torsten Lippstock
Schnitt: Michael Nollet, Andrew Bird, Zenon Kristen
Verleih: Weltkino
FSK: oA
Kinostart: 20.01.2022

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