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Amrum

Licht über Landschaft

Die Geschichte eines Nazi-Pimpfs, der sich an der Schwelle einer neuen Zeit und in der wilden Amrumer Landschaft, zwischen Flundern, Robben, Prielen und depressiven Faschisten zurechtfinden muss.

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Fatih Akins dritte Zusammenarbeit mit Hark Bohm, der auch an AUS DEM NICHTS und TSCHICK mitarbeitete, steht am ehesten in einer Reihe mit Bohms großartigen Jugendfilmen wie NORDSEE IS MORDSEE, MORITZ, LIEBER MORITZ oder TSCHETAN, DER INDIANERJUNGE. AMRUM schildert Kindheitserinnerungen von Hark Bohm, und ist in erster Linie auch ein Kinderfilm, aber auch ein Film, der Erwachsenen etwas über die Wahrnehmung von Kindern am Kriegsende erzählt.
Vor allem ist AMRUM ein norddeutscher Film, Akin und sein in Bremen aufgewachsener, aber mit allen Hollywood-Wassern gewaschener Kameramann Karl Walter Lindenlaub (INDEPENDENCE DAY) gelingt es wie nur selten im deutschen Film, das Nordseelicht über der weiten Landschaft einzufangen. AMRUM leuchtet in diesem Film, und zwar genau in der richtigen Farbtemperatur.

Die Geschichte ist im Kern ein Abenteuer des zwölf Jahre alten Nanning, der ein Brot mit Butter und Honig für seine traurige Mutter besorgen will. Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist die stramm nationalsozialistische Hamburger Familie auf die Insel geflohen. Nun wird die schwangere Mutter immer trauriger, je näher das Ende des Nazi-Reiches kommt. Das letzte, worauf sie sich gefreut hatte, war ein Butterbrot mit Honig. Nanning will versuchen, die einzelnen Bestandteile zusammenzubekommen. Das vermeintliche Wundermittel gegen Mutters Traurigkeit wird noch dringender gebraucht, als die Nachricht von Hitlers Tod die Insel erreicht. Auf seiner Mission erfährt Nanning allerdings auch einige unerfreuliche Wahrheiten über seine Familie.

Die Geschichte eines Nazi-Pimpfs, der sich an der Schwelle einer neuen Zeit und in der durchaus immer noch wilden Landschaft, zwischen Flundern, Robben, Prielen und depressiven Faschisten zurechtfinden muss, funktioniert, obwohl nur Detlef Buck als Fischer Sam annähernd den Tonfall des nordfriesischen „Öömrang“ hinbekommt.

Tom Dorow

Details

Deutschland 2025, 93 min
Genre: Drama, Historienfilm
Regie: Fatih Akin
Drehbuch: Fatih Akin, Hark Bohm
Kamera: Karl Walter Lindenlaub
Musik: Hainbach
Verleih: Warner Bros.
Darsteller: Diane Kruger, Matthias Schweighöfer, Laura Tonke, Detlev Buck, Hark Bohm, Lisa Hagmeister
Kinostart: 09.10.2025

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